Ein verblühtes ImperiumEine Wiederbelebung der englischen Pfeife ist nicht wahrscheinlich. Meines Erachtens dürfte neben Dunhill allenfalls Upshall das nächste Jahrzehnt überleben. Die heutigen Macher, Übriggebliebene einer 150jährigen Tradition, werden ohne Nachwuchs bleiben. Wenn sie aus Altersgründen bald das Feld räumen, bleiben nur Billigprodukte übrig. An der einst richtungsweisenden englischen Pfeifenmacherei ist nämlich wenig, das junge Leute begeistern könnte. Keine neue Idee ließe sich einbringen, kein Stil sich entwickeln. Obgleich schwindend, ist die Nachfrage aus dem Ausland unbeugsam und lässt schlichtweg gar nichts zu, das nicht von Gestern wäre. Und so ist eine zeitgemäße Freehand-Karriere in London gerade so vorstellbar wie die Skispringerei in Algerien - wer's wirklich ernst meinte, müsste auswandern. 'London Made', das sagt schon alles. Da sind alle Klischees fest verdrahtet. Einen britischen Kent Rasmussen erwartet kein Mensch. Folgerichtig befassen sich die meisten Sammler von Engländerinnen mit der Historie - nicht als Hintergrund, wie andere Pfeifenfreunde, sondern als Fokus. Es ist ein faszinierendes Hobby, das weit mehr als Holz und Plastik an sich reißt. Alte Kataloge, vergilbte Anzeigen, ja ganze kurzlebige Geschichtsepochen ziehen flimmernd wie im Gaslicht vor den Augen des Liebhabers daher. Das Empire steht neu auf, verblüht, die Einwanderer aus St. Claude, der vorurteilssteile Weg des Juden Charatan, die Bruyere-Knappheit des Zweiten Weltkrieges, Gewindepfeifen aus den 20er Jahren, Pferdedroschken und der Automobilistenausstatter Alfred Dunhill... All dem und der guten englischen Fabrikpfeife ist die Zeit davon gezogen. (Wer sich dennoch ein Bild von der aktuellen und früheren Hierachie der englischen Pfeifenmacher verschaffen will, kann diesen kurzen Beitrag von mir auf der Seite der Newsgroup DAFT finden.) |
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© 2003 und ViSdP Martin Farrent