War's das nun?

Sind's die satt-zufriedenen Alterswerke der Jungen Wilden von gestern? Ein sehr engagierter Sammler schrieb mir neulich, die Dänen kopierten sich im Grunde nur den lieben Tag lang selbst. Gemeint sind hier die großen Namen aus den 70er und 80er Jahren, und das Recht auf Eigenplagiat haben sie sich unstrittig erworben. Doch macht das noch Spaß?

Ja, es macht. Und zwar dem Kunden. Es gibt ein Publikum für alternde Rockstars und ein Publikum für olle Vikinger. Wenn die Avantgarde auch längst woanders ist, so schätzen wir doch die Gelassenheit, die handwerkliche Sicherheit, die leichte Verdaulichkeit (jawohl) und die Virtuosität der Innovatoren früherer Dekaden.

Dennoch fällt auf, dass im Land mit der größten Pro-Kopf-Zahl Pfeifenraucher kaum noch ein junger Schnitzer Neuland betritt. Als Ausnahme ist eigentlich nur Kent Rasmussen zu nennen - und so richtig 'jung' ist er übrigens nicht. Fällt mir für die USA gleich ein halbes Dutzend Carver ein, das 'Pfeifen anders macht als früher', so gähnt in der noch herrschenden Supermacht der Pfeife derzeit die Leere.

Schiebt die Praktikabilität der Innovation Riegel vor? In Amerika, wo das Rauchen ohnehin nur noch auf dem eigenen Sofa gestattet ist, kann die Brauch- und Rauchbarkeit einer Pfeife an der Theke, auf dem Bahnsteig und beim Rundgang vom Bäcker zum Fleischer getrost unbeachtet bleiben. Dem Hang zur ausgewachsenen Skulptur sind keine Zügel angelegt. Anders in Dänemark, wo ja immerhin eine Hand für den Regenschirm frei bleiben muss.

Doch fehlt's nicht nur an jungen Innovatoren, sondern überhaupt an neuen Machern. Vielleicht hapert's an der Nachfrage, vielleicht an den Verdienstmöglichkeiten, sicher aber auch an der Infrastruktur. Aufstrebende sind kaum noch in Sicht, seitdem die berühmten Werkstätten von Pipe-Dan, Rasmussen, Larsen usw. ihre Tore für die Lernbegierigen (und für alle anderen) geschlossen haben. Nur wenige der heutigen Weltstars nehmen bereitwillig Lehrlinge auf. Doch so häufig fragt auch niemand an.

Man fragt sich indes, was bleiben wird. Als das Herz der Pfeifenwelt von London nach Kopenhagen transplantiert wurde, blieben etliche angesehene Marken auf der Strecke. Ausgestorben oder nur Gespenster ihrer selbst sind heute BBB, Orlik, Civic, Charatan's, Loewe, Comoys... Sicher, ein paar wirklich große Namen überlebten in voller Blüte, doch ist weltweit der Pfeifenladen ohne englische Produkte (außer Dunhill) nunmehr eher die Regel als die Ausnahme. In England selbst heißt die beliebteste Qualitätsmarke im übrigen heute Savinelli.

In Dänemark könnte die Zukunft gar noch düsterer aussehen. Bis auf Stanwell sind viele Serienhersteller schon heute vom Markt verschwunden, und Highgrader benennen nun einmal keine Nachfolger. Wenn Poul Ilsted eines Tages aufhört, werden schlichtweg keine Ilsteds mehr hergestellt.

Bei den Sammlern ist derweil eine fast retrospektivische Tendenz zu erkennen. Ausgerechnet die konservativsten unter den Dänen erzielen heute mitunter die höchsten Preise bei Versteigerungen - Emil Chonowitsch, zum Beispiel. Gesucht sind zurzeit auch die Carver, die eigentlich schon vom Markt verschwunden sind, etwa Sven Knudsen

Ja, meine Prognose lautet, dass die Tage der dänischen Pfeife als solche gezählt sind. Was bleiben könnte, ist eine 'gesamtnördliche' Szene, die freilich neben Dänemark und Schweden auch Deutschland umfassen müsste, um genügend Schnitzer im jungen bis besten Alter aufweisen zu können.

 

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© 2003 und ViSdP Martin Farrent