Tom Spanu kann auch rustikal.

 
 

Cavicchi grenzt mitunter an Highgrade.

Zwei Dänen

Warum ich Claudio Cavicchi und Tom Spanu zusammenfasse? Weil beide bodenständige, schnitzfreudige Carver sind, vom Formenverständnis eher dänisch als italienisch, doch ohne die preislichen Ansprüche der Nordmänner.

Dabei genießt Cavicchi sicherlich den größeren Bekanntschaftsgrad - eine fast phänomenale Beliebtheit in Deutschland und den USA. Zudem hält er sich oft enger an neuere skandinavische Formen, ohne jedoch einen spezifischen Macher zu kopieren. Immer wieder konstatieren vor allem amerikanische Sammler sein eigentliches Highgrade-Potenzial. Doch zeigt Cavicchi nur selten Anstalten, mit handgeschnitzen Ebonitmundsütcken und ähnlichem Luxus über die Budgets seiner heutigen Fans hinaus zu wachsen. Meines Erachtens wird er dennoch von vielen Sammlern zu niedrig eingeschätzt. Mit Castello kann er's ganz gut aufnehmen.

Wie Cavicchi bietet auch Spanu für relativ kleines Geld hervorragende Maserung und sehr gute Verarbeitung. Eine gelegentliche rustikale Komponente erkennt man dabei nicht nur an seinen Korkrindenpfeifen, sondern meines Erachtens auch an der abgebildeten Pipe. Nennen wie es sardisch (er lebt auf der Insel), warum nicht? Eine solche Pipe macht sich jedenfalls prima zu leichtem Sommerwein auf der Terrasse. Gleichwohl zeigt Spanu - mitunter noch mehr als Cavicchi - an anderen Stücken avantgardistische, teils asymmetrische Tendenzen, ja einen klaren Hang zur Skulptur. Wenn dann noch die Maserung stimmt, geht das Ergebnis auch einmal Richtung Weltklasse. Ganz gelegentlich jedenfalls.

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© 2003 und ViSdP Martin Farrent