|
Pfeifenbox |
|
| Weihnachten |
Schöne Grüße vom TräumerUnd was wünschen wir uns kollektiv zu Weihnachten? Doch endlich den ersehnten Pfeifenboom! Damit die Macher wieder lächeln, die Marken erhalten bleiben - und wir in der Fußgängerzone nicht länger die Blickresistenz von Statuen üben müssen ("Mama, was hat der Mann?"). Doch seien wir ehrlich: Sehr wahrscheinlich ist der Pipenaufschwung auch im kommenden Jahr nicht. |
Um nicht ganz dem
Trübsinn zu verfallen, gönnte ich mir diese Larsen Pearl bei Ebay.
Der Preis, wie geschenkt:79 Euro! |
Pfeife gehört ganz einfach nicht mehr dazu. (Drei Dinge braucht der Mann: Handy, Pulsmesser und selbstbewusste Unterwäsche.) Ja, wo sind sie denn hin, die ganzen 'Pfeifentypen'? Lutschen die Philosophen heute einfach Daumen, und hat der digitalisierende Dichter keine Hand mehr frei? Braucht der Opa seine Puste nun fürs Fitness-Studio, der Genießer auch die letzte Geschmacksknospe zur Würdigung der Parker-Punkte? Sind alle Intellektuellen viel zu klug geworden, sich zu vergiften? Mag seit der anhaltenden Katastrophe Thatcher-Major-Blair auch niemand mehr anglophil sein? Pfeife, das ist Subkultur geworden. Wie die LP aus Vinyl, der Pop aus der Gitarre und die Kamera aus Mechanik. Das gibt's nicht mehr im Kaufhaus. Das trällert sich nicht mehr an jeder Ecke. Das hängt nicht mehr am Bauch des Buxtehuders in Rimini. Das wird allenfalls 'Kult', aber nie mehr Mode. Das leidet an der Seltenheit und fühlt sich stets dem Aussterben nahe. Nur wir Sonderlinge klemmen uns noch immer gewesene Statussymbole zwischen die Zähne und räuchern die Hobbykeller aus. Auf dem Rückzug durch die Restaurants und Kneipen müssen wir erleben, dass jeder schnöde Zichtenraucher bleiben darf, nur wir Stinker nicht. In der Bundesbahn platziert man uns zwischen leeren Bierdosen und grölenden Fußballfans, im Flugzeug gibt's uns gar nicht mehr, und selbst in der Gunst der Tabakhändler rangieren wir hinter jedem abgelaufenen Lottoschein. Und was soll man sich zu Weihnachten nun realistisch wünschen? Eine Christmas Pipe von Dunhill? Ein Päckchen Balkan Sobranie? Oder wenigstens das Stopferding aus Tschechien? Ich für meinen Teil sag's ganz ehrlich: Ich möchte einmal, nur ein einziges Mal im ganzen Jahr in meinem eigenen Wohnzimmer paffen... Friedvolle Tage wünscht aber aus seinem Arbeitszimmer heraus Martin |
|
|
(24. Dezember 2003) |
||
© 2003 und ViSdP: Martin Farrent