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Der Dunhill-Mann mit der Gitarre

Dunhill-Liebhaber müssen in den einschlägigen Diskussionsforen des Internet mit Misstrauen rechnen. Diese wohl bekannteste Pfeifenmarke gilt selbst vielen Highgrade-Sammlern als Synonym für realitätsferne Preise und blinden Snobismus. Sicherlich gibt es im arbeitsaufwendigen Freehand-Bereich reichlich Kostspieligeres als mittlere Weißpunktqualität - doch wo sonst zahlt man Hunderte für 'mäßige Maserung aus der Serie', wie die Schmäher gerne betonen?

Glorifizierte Stanwell oder Königin des Understatement? Diese Frage in der Öffentlichkeit zu beantworten, berechtigt allemal zum Sitzplatz im Nesselbeet. Spaß macht hingegen ein Blick in die Seele eines Rauchers, dem der ganze Streit schon lange am Wertesten vorbei geht.

 
  Wolfgang Pointner

Wolfgang Pointner ist Musiker aus dem österreichischen Salzburg und besitzt zurzeit genau 160 Dunhills. Vorrangig sammelt er die älteren Modelle mit Patentnummer (vor 1955) sowie ODAs - das sind die Übergroßen - bis 1962. Seine seltenste Pfeife dürfte eine ODA #832 Patent Shell sein, wie er sagt, vielleicht auch eine achtseitige Panel Bruyere (#382) von 1928. Dies sind zwei Stars in einer Sammlung, deren Fokus seit nunmehr rund zehn Jahren auf Weißpunktpfeifen liegt. Seitdem sind die meisten anderen Pipen für Wolfgang allenfalls "zur Abwechslung" geeignet. Nur wenige lässt er in diesem Interview - für seine Person - so einigermaßen gelten.

Worin liegt der Reiz, eine Marke zu sammeln, die bei vielen Highgrade-Sammlern als Serienpfeife verrufen ist?

WP: Ich kann den Freehand-Boom überhaupt nicht nachvollziehen - viele der Shapes sind nicht mein Geschmack. Ich liebe klassische Formen, da kann man nicht tricksen, und die dänischen Pfeifen schmecken mir auch nur bedingt. Ich rauche ausschließlich englische Mischungen, und mir schmecken die in einer Dunhill einfach am besten. Natürlich ist das total subjektiv, aber ich habe es ausprobiert und habe meine persönliche 'Wahrheit' gefunden. Ich habe zwar auch ein paar Bangs und dergleichen, und ein paar Castellos liegen auch immer herum - aber nur zur Abwechslung.

Kein anderer Hersteller hat die klassischen Shapes besser gemacht, und natürlich reizt mich auch die Tradition. Ich sammle aber ausschließlich alte Dunhills. An den neuen habe ich kein Interesse, und wenn eine davon doch bei mir landet, dann war sie sehr billig... sehr, sehr billig [lacht].

Viele Pfeifenraucher schauen meiner Meinung nach zu sehr auf Straight Grain und zu wenig auf die Holzqualität. Meiner ganz persönlichen Meinung nach sagt ein schönes Straight Grain aber nur wenig über die Holz- und Rauchqualität aus.

Was ist denn das Wichtigste beim Holz?

WP: Für mich ist Holzqualität auch die Dichte der Maserung. Ich glaube Barbi spricht vom "Verhältnis zwischen Füllholz und Strukturholz" - oder so ähnlich, Holzqualität betrifft auch die Art der Trocknung der Kantel - also 'air curing' oder 'oil curing'. Nicht zu vergessen ist das Gewicht in Relation zur Größe der Pfeife. Straight Grain ist für mich dagegen eine rein optische Sache, die aber nichts über die Rauchqualität aussagt.

Immer wieder verneinen alle Hersteller, dass das Alter der Knolle eine Rolle spielt. Ich glaube aber, dass das Holz früher länger in der Erde war und langsamer gewachsen ist. 200 Jahre ist sicher ein Gag [lacht] und 'dead root' ist höchstwahrscheinlich Holz, auf das geschossen wurde, aber es ist definitiv ein Unterschied in der Holzqualität, wenn man 50 Jahre zurück geht. Man bekommt mehr 'Qualität' fürs gleiche Geld - und bei Estates sogar für weniger Geld.

Viele Aussagen von Herstellern, Freehandern und Händlern sollte man mit Vorsicht genießen; denn alle wollen das verkaufen, was heute erhältlich ist, und richten ihre Argumente danach aus. Ich unterstelle aber keinem etwas Böses. Ich kann nur jedem empfehlen, es selbst auszuprobieren. Wir sind alle verschieden, und so verschieden sind auch die Pfeifen, die jeder bevorzugt.

Einzelne Shapes desselben Herstellers in verschiedenen Jahrgängen und Qualitäten zu sammeln, erinnert manchen stark an die Akribie des Briefmarkenfreundes. Bist du im Sammeln ein Systematiker?

WP: Ich kaufe keine Shapes, die mir nicht gefallen. Ich kaufe alte Dunhills, weil sie für mich nach jahrelangem Experimentieren am besten schmecken. Ich kaufe Shape X aus dem Jahre Y deshalb, weil sich die Shapes im Laufe der Jahre geändert haben und mir die älteren Versionen persönlich besser gefallen. Bei den Sandgestrahlten ist die Sandstrahlung beispielsweise viel tiefer - wer einmal eine Tanshell aus den 50ern mit einer aus den 60ern verglichen hat, wird merken, dass die Pfeife aus den 50ern in der Regel besser sandgestrahlt ist. Bei einer Bulldog sind bei älteren Modellen die Ringe viel breiter, bei einer Panel der Holm schlanker, bei einer Billiard das Mundstück länger und so weiter. Sammeln nach Katalognummer ist überhaupt nicht mein Ding. Ich bin von Beruf Musiker und da ist man ja eher chaotisch [lacht].

Wie hoch ist der Anteil der Stücke, die du nicht rauchst, sondern nur der Sammlung wegen besitzt?

WP: Ich rauche alle meine Pfeifen. Wenn ich eine Pfeife nicht rauchen kann, will ich sie auch nicht besitzen. Es gibt aber ein Zweier-Set von 1955, das ich ungeraucht gefunden habe. Diese Pfeifen anzurauchen, fällt mir schwer.

Du besitzt auch Collectors. Ist eine Dunhill Collector für dich denn eine wirkliche Dunhill? Werden sie nicht von Dänen gemacht?

WP: Es gibt das Gerücht, dass die Collectors aus Dänemark stammen. Mehr weiß ich auch nicht, da ich Collectors nicht sammele. Ich habe zwar welche, aber wenn mir jemand ein gutes Angebot macht, dann sind die weg. Die Collector kam 1978 raus und ist somit nicht mein Gebiet.

Man müsste fragen: Was ist eine 'richtige' Dunhill überhaupt? Wenn 'Dunhill' drauf steht, reicht das für mich, sie auch Dunhill zu nennen. Doch kaufen oder gar sammeln tue ich sie deswegen noch lange nicht. Dunhill hat auch 'Schrott' gemacht - man möge mir das böse Wort verzeihen. In 100 Jahren darf aber auch einmal etwas schief gehen, denke ich.

Wo findest du neue Pfeifen für deine Sammlung?

WP: Ich habe 1993/1994 in New York studiert, dort einen der Organisatoren der New York Pipeshow kennen gelernt und viel bei ihm gekauft. Sein Name ist Sam Barnett, und Sam hat mich so richtig auf den Trip gebracht, mir alles erklärt und so weiter... ein super Typ mit einem riesigen Wissen.

Heute kaufe ich auch viel über ebay.com oder von anderen Sammlern aus den USA.

Wie ist eigentlich das Verhältnis der Dunhill-Sammler untereinander - Konkurrenz oder Kooperation?

WP: Konkurrenz beim Kaufen wäre schon möglich, aber mich hat es noch nie wirklich berührt. Wenn einer bereit ist, mehr als ich zu zahlen, ist das doch okay - man muss nicht alles haben, und gierig bin ich (hoffe ich) nicht. Es ist genug für alle da.

Informationen werden eigentlich immer gerne weiter gegeben, und ich habe noch nie erlebt, dass einer eine Neuigkeit zurück hält.

Welche Dunhill außerhalb deiner Sammlung ist für dich der Traum deiner schlaflosen Nächte?

WP: Eine Dunhill 'Magnum' hätte ich schon gerne einmal, aber ich kann noch schlafen - also zahle ich die derzeitigen Preise nicht [lacht].

Für manche Raucher sind Dunhills Teil einer anglophilen Lebensweise mit Tee, Pubs und Whisky - für andere eine losgelöste Leidenschaft in ihrem Leben. Wie ist das bei dir?

WP: Ich trinke gerne Malt Whisky, aber englisches Bier, englisches Essen oder die englische Lebensart sind nichts für mich. Ich trinke Tee nur, wenn ich krank bin, und die Dunhill-Geschäfte versuche ich zu meiden... die sind nicht mein Stil. Der in London hat aber ein paar tolle Tabake!

(Wolfgang Pointners Sammlung ist hier zu besichtigen: http://www.pipewolf.com)

 
 

(31. Oktober 2003)

     

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