Interview

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"Sicher stellen, dass sie regelmäßig stattfindet"

Piepenhoeker Rolf Osterndorff plant ein europäisches Pfeifentreffen nach dem Vorbild der amerikanischen Shows. Der seit 2002 in Frankreich ansässige US-Carver Trever Talbert erwägt, die Veranstaltung nicht nur zu besuchen, sondern auch die Pfeifen einiger amerikanischer Kollegen mitzubringen. Für viele Sammler in Europa wäre dies die erste Chance, amerikanische Pfeifen in größerer Auswahl zu begutachten.

In einem Interview rät Trever Talbert allerdings zur Geduld. Seiner Ansicht nach muss eine gelungene Show von Jahr zu Jahr wachsen können.

 
 

Bleibt's dabei, dass du nach Cuxhaven kommst?

TT: Ich würde es liebend gern tun, weiß es aber noch nicht genau. Ich hatte es geplant, aber Rolf denkt jetzt an Anfang Oktober. Ich will unbedingt nächstes Jahr zur CORPS [Anm: Show in den USA], und außerdem ist der frühe Oktober gerade die Zeit, wo ich mit meinen Halloween-Pfeifen Tag und Nacht im Endspurt stecke.

Rolf hatte zunächst von einer Veranstaltung im Frühling gesprochen, wo ich auch leicht hätte hinfahren können, aber Anfang Oktober ist wirklich problematisch, besonders, wenn es einen Konflikt mit der CORPS gibt. Ich werde jetzt die CORPS-Leute anschreiben und an sie appellieren, ihre Show wieder gegen Ende Oktober abzuhalten - so, wie es früher immer war. Wenn sie darauf eingingen, wäre es ideal für mich. Ich könnte Anfang Oktober zu Rolfs Show fahren und später in die USA. Dort könnte ich dann die Pfeifen der anderen US-Carver zurückgeben, an CORPS teilnehmen und noch eine Woche Urlaub machen... Kentucky Fried Chicken essen und dergleichen.

[Redaktionelle Anmerkung: Inzwischen kristallisiert sich ein Termin Mitte August für die Show in Cuxhaven heraus, so dass der zeitliche Konflikt mit CORPS für amerikanische Interessenten entschärft ist.]

Du sprichst davon, die Pfeifen anderer Amerikaner wie Mark Tinsky, Paul Bonaquisti und Todd Johnson mitzubringen. Ist ein solches 'Syndikat' der beste Weg zum Erfolg, oder werden andere Carver nicht persönlich in Cuxhaven erscheinen wollen?

TT: Ich weiß wirklich nicht, wie sie denken. Doch glaube ich, dass den meisten die Reise zu teuer sein wird. Ob man an einer Show teilnimmt oder nicht, ist letztlich eine geschäftliche Entscheidung, die normalerweise wiederum davon abhängt, wie leicht es sein dürfte, die Reisekosten durch Verkäufe vor Ort zu decken.

Ein amerikanischer Carver kann an CORPS oder in Chicago teilnehmen und zahlt dafür höchstens ein paar hundert Dollar für Reise und Hotel. Die holt er bei den billigen Standpreisen leicht wieder rein. Wenn wir aber davon reden, allein $600 für transatlantische Flugtickets auszugeben, plus Hotelkosten, plus Ärger mit dem Transport vieler Pfeifen, wird die Kalkulation zweifelhaft. Ich bin mir sicher, dass viele gern aus Freude an der Sache kämen - dass die finanziellen Realitäten es aber den meisten unmöglich machen werden.

Deshalb habe ich ja vorgeschlagen, dass ich mit den Stücken einiger anderer Amerikaner anreise, da für mich die Fahrt von Frankreich aus ja billiger ist. Deren Arbeit ist mir vertraut, und es wäre praktisch, einen zentralen 'US-Stand' in Cuxhaven zu haben. Ich biete das allerdings nicht aus Gewinngründen an. Wenn andere Carver persönlich kommen wollen, habe ich weniger Arbeit.

Was ist mit den amerikanischen Sammlern? Wie groß sind die Chancen, dass viele nach Cuxhaven kommen?

TT: Auch dies kann ich nicht sagen. In besseren Zeiten kämen wahrscheinlich so einige, aber im Augenblick befinden sich die USA in einer schlimmen Rezessionsphase, und die Leute halten jeden Pfennig fest. Viele haben auch keine Arbeit mehr. Geld für eine translatlantische Pfeifenshow auszugeben, überfordert vermutlich die Möglichkeiten vieler. Ich bin mir aber sicher, dass mindestens ein paar auftauchen werden.

Du hast viele Pfeifenshows in der Heimat solcher Veranstaltungen erlebt. Wie lange braucht eine Show, um sich zu etablieren?

TT: Das liegt großenteils an der Promotion. Die Deep South Classic begann in einem kleinen Konferenzraum mit ein paar überwiegend ortsansässigen Händlern - aber drei Jahre später belegte sie bereits eine große Halle und zog Leute aus dem ganzen Land an.

Du musst allerdings wirklich darauf gefasst sein, dass die Sache in den ersten ein, zwei Jahren klein, langsam und intim bleibt. Viele potenzielle Besucher schauen beim ersten Mal nicht auf die Show selbst, sondern darauf, ob es nach einer regelmäßigen Wiederholung aussieht. Wenn die Veranstaltung den Anschein einer einmaligen Angelegenheit annimmt, geben sie sich nicht damit ab. Wenn sie allerdings sehen, dass sie regelmäßig und jedes Jahr stattfindet, kommen mehr und mehr Leute, um zu gucken, was dort passiert.

Meiner Meinung nach wäre es also nicht klug, gleich große Erwartungen in die erste Show zu investieren. Vielmehr sollte man sich darauf konzentrieren, dass sie klein, spaßig und angenehm verläuft. Den Großteil seiner Mühe muss man aber darin investieren, sicher zu stellen, dass sie zum regelmäßigen Ereignis wird - und nicht nach einem Jahr schon untergeht.

Die Deep South hatte insofern Glück, als dass mehrere gute Pfeifenläden und Clubs in der Umgebung existierten. Außerdem war die Anreise für Vertreter von C&D und dem P&T-Magazin sowie für einige Ostküsten-Carver nicht allzu beschwerlich. Jede Show in der EU hätte eine weit größere Auswahl 'regionaler' Unternehmer, müsste aber für diese auch attraktiv sein - das heißt zum Beispiel, dass die Standgebühren bezahlbar und die Bürokratie überschaubar bleiben müssten. Außerdem müsste sie regelmäßig stattfinden, Jahr für Jahr.

Wenn ich kommen kann, mache ich bestimmt viele Fotos und werbe auf meiner Website dafür. Je mehr Leute das tun, desto mehr Leute werden darauf aufmerksam, dass hier etwas los ist. Mit den Jahren steigen dann die Besucherzahlen.

Rolf sollte das aber wirklich nicht alles alleine regeln müssen - sonst wird er wahnsinnig. Schau' dir die amerikanischen Beispiele an - 19 Leute helfen, CORPS zu organisieren. Wer kann überhaupt noch sagen, wie viele in Chicago beteiligt sind? Ich würde Rolf unterstützen, wenn ich noch Kapazitäten hätte. Aber er braucht wirklich acht bis zehn Leute, die finanziell und mit ihrer Arbeitskraft helfen, die Sache auf den richtigen Weg zu bringen.

 
 

(22. Oktober 2003)

     

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