| Gerüchte |
Preben Holm: prä- und posthum
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Rätselraten im Internet |
Es ist schon erstaunlich, wie viele ungerauchte Preben Holms derzeit auf dem Markt auftauchen. Leser der einschlägigen Informationsquellen werden annehmen, dass es sich um Pfeifen aus der Zeit vor 1989 handelt, dem Todesjahr des Fancy-Meisters. Doch, wer sich von viel Geld trennen will, recherchiert vorher gern ein bisschen. Und stolpert in den Google-Archiven für die Internet-Diskussionsgruppe DAFT über den Hinweis, dass die Marke 'Preben Holm' heute einem quicklebendigem Carver aus nördlichen Gefilden gehört. Die Flutwelle jungfräulicher Preben Holms wäre demnach nur mit Skepsis als achtes Weltwunder zu werten. Ein paar Sammler äußerten jüngst leise Verwirrung, und als ein Teilnehmer der englischsprachigen Newsgroup ASP nun "prä-verstorbene" Prebens anpries, schien der Klärungsbedarf langsam deutlich. Ja, gibt's denn doch andere? Umgehend ertönte indes die Entwarnung - einer der größten deutschen Pfeifenhändler bestätigte zwar auf Anfrage, dass die Namensrechte heute Poul Winslow gehören. Er hielt es aber für ausgeschlossen, dass Winslow tatsächlich neue Pfeifen als Preben Holms vermarktet: "Der Poul macht sowas nicht." Das klingt logisch: Als erschwinglicher Freehand-Star und Erfinder der 'Ikea-Pfeife' Crown hätte er es ohnehin kaum nötig.
Dazu sagte auch Andreas Harm von Esterval's Pipe House, einem der bekannteren Preben-Anbieter auf Ebay: "Unsere ungerauchten Preben Holms stammen von Sammlern, vor allem aus Amerika. Von einem haben wir beispielsweise gerade circa 20 Stück gekauft. So weit wir das beurteilen können, wurden unsere Angebote alle zu Lebzeiten Preben Holms hergestellt." Harm erklärte beispielweise, dass einer der Sammler aufgrund hoher Arztrechnungen einen Teil seiner lange gehorteten Pfeifen habe veräußern müssen. "Da gibt's Leute mit größeren Beständen in den Vitrinen, die jetzt aus diesem oder jenem Grund verkaufen." Allerdings: Von 'posthumen' Prebens hatte auch Harm schon gehört, obwohl er nicht zu sagen wusste, wo sie herkommen. Von Winslow? Nein, das kann sich auch der Esterval-Chef keinesfalls vorstellen. Nach seinen Informationen sind die betreffenden Pfeifen auch nicht mit 'Preben Holm' gestempelt, sondern "irgendwie anders". Gesehen hat er noch keine. "Aber wenn Sie eine verdächtige Pfeife haben, schicken Sie mir Fotos. Ich kann das wahrscheinlich beurteilen." Da war dann die Verwirrung wieder da.
Ein intelligenter Fälscher entfällt als Quelle der ewigen Preben-Jugend; denn ein solcher vermurkste ja kaum gerade die Nomenklatur (außerdem wäre Pfeifenfälscherei sowieso kein sehr intelligentes Tätigkeitsfeld). Bei ASP also wieder nachgefragt... dort kam schließlich die Vermutung auf, dass die Preben-Werkstatt doch einige Lohnschnitzer beschäftigte und noch längere Zeit nach dem Todes ihres Besitzers produktiv gewesen sein könnte. Die Spur zu einem Online-Händler mit 'neuen' Prebens erwies sich jedenfalls als Irrweg. Dieser hatte mit dem Wort 'neu' wohl nur zum Ausdruck bringen wollen, dass die Pfeifen frisch in seinem Sortiment waren. Bei all dem Hirnzerbrechen vergaß der Autor dieser Zeilen nur fast, nicht gänzlich, dass weder er noch jemand aus seinem Bekanntenkreis eine der betreffenden Pfeifen in den Händen gehalten hat - falls es sie denn wirklich gibt. Und so verpufften, zumindest vorerst, die falschen Preben Holms und sein Interesse daran. Ein Sammlerrätsel, vielleicht auch leicht paranoider Natur. Oder ist das Sammeln sowieso eine Tätigkeit für bekennende Paranoide? Fazit: Die Preben Holms seriöser Händler dürften echt sein. Ob es andere gibt, weiß vermutlich der Teufel. Weiterhin stellt sich allerdings die Frage nach dem wirklichen Wert einer Preben. Geht man nach dem Erfolg der Ebay-Auktionen, bestimmen noch 14 Jahre nach dem Ableben des Pioniers stark schwankende Tagespreise das Geschehen. Zumindest dies könnte man als Wirken nach dem Tod betrachten. |
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(20. Oktober 2003) |
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