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Pfeifenbox |
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Eindrücke vom VaterDer 1952 geborene Italiener Paolo Becker betreibt die Pfeifenmacherei unter eigenem Namen schon seit 1979. Die Becker-Marke baute er zusammen mit seinem Vater Fritz auf - einem vor den Nazis nach Jugoslawien geflüchteten Österreicher, der sich nach dem Ende des Faschismus' in Italien ansiedelte. Dort war Fritz Becker unter anderem als Botschafter des Jüdischen Weltkongresses am Vatikan tätig, widmete sich aber auch der Malerei, der Bildhauerei und dem Pfeifenschnitzen. Noch heute prägt er den Stil seines Sohnes, Kollegen und Nachfolgers mit. |
Überzeugungsrömer
Paolo Becker |
Trotz der im Vergleich zu nordischen Carvern hohen Produktion gelten Becker-Pfeifen als echte Highgrades. Darin stehen sie im Gegensatz zu vielen anderen handgemachten Pipen aus Italien - in Gegensatz auch zu einigen berühmteren Namen. Über die Arbeitsphilosophie hinter dem guten Ruf redet Paolo Becker in diesem Pfeifenbox-Interview. Darin geht es auch um die Zukunft seiner zweiten Marke 'Becker & Musico'. Wie viele Pfeifen machst du im Jahr ungefähr? PB: Zwischen 1989 und 2003 habe ich meine Aktivitäten aufgeteilt - einige Zeit der Werkstatt gewidmet und den Rest meinem Laden in Rom, namens 'Becker & Musico'. In dieser Zeit entstanden etwa 400 Becker-Pfeifen im Jahr, wobei mich ich zusätzlich um die 'Becker & Musico'-Pfeifen kümmerte, die Hauspfeifen des Ladens im englischen Stil. Doch hat mich die Faszination der Werkstatt nie verlassen, und so habe ich mich nun entschlossen, meine Ladenaktivitäten einzustellen, um mich voll der Becker-Produktion zu widmen. Ich denke, ich werde nun jährlich etwa 650 bis 700 Pfeifen fertig stellen. Welche Maschinen verwendest du für die Becker Handmades? PB: Die Genauigkeit der Bohrungen ist für jede Pfeife fundamental, und sowohl Pfeifenmacher als auch Raucher achten sehr darauf. Sie gelingt nur mit entsprechender Ausrüstung. Ich habe vor kurzem eine Maschine modifiziert, die Kopf- und Holmbohrung mit der notwendigen Sorgfalt machen hilft. Eine andere Maschine ist beim Drehen des Mundstückzapfens sehr nützlich - der Rest wird von Hand gemacht. Sobald Kopf-, Holm- und Zapfenbohrung fertig sind, wird das unfertige Mundstück eingesetzt. Von nun an wird die Pfeife an der Schleifscheibe geformt, die nach und nach das überschüssige Bruyere entfernt. Mit kleinen Werkzeugen gestalte ich die Pfeife weiter, mache ihre Linien so harmonisch wie möglich und verfeinere ihre Dimensionen und Proportionen. Früher hast du ja mit deinem Vater Fritz zusammen gearbeitet, der deinen Stil offenbar sehr beeinflusste. Siehst du deine Arbeit noch immer als Fortsetzung seines Werks? PB: Die Eindrücke, die mir mein Vater mitgab, führen noch immer meine Hand. Es freut mich, dass der Becker-Stil noch heute auf Fritz zurückgeführt werden kann. Mit den Jahren habe ich viele eigene Designs und Lösungen entwickelt, ohne diese ursprüngliche Persönlichkeit der Pfeifen zu verlieren. Ein laufendes Projekt ist die Wiederauflage von alten Pfeifenformen, die mein Vater für Raucher und Sammler entworfen hat. Die Serie wird 'Meine Erinnerung' heißen und einige der ausgeprägtesten Becker-Designs enthalten. Wo würdest du andere Einflüsse auf deinen Stil sehen? Deine Pfeifen sind ja eher merkwürdig 'un-italienisch' - mehr schlicht als verschnörkelt. PB: Tatsächlich habe ich zwei Fundamente. Eines ist natürlich italienisch, das andere Wienerisch - in dieser Stadt lebte mein Vater ja als junger Mann. Wahrscheinlich bin ich wegen dieser Prägung weniger 'orthodox-italienisch'. Ein großer Einfluss bildet außerdem die Tatsache, dass ich zeitlebens in Rom gelebt habe - 2000 Jahre Geschichte, Kultur und Schönheit befinden sich in dieser Stadt. Du scheinst ja mehr Mühe in Sandstrahlung und Rustizierung zu investieren als viele anderen Europäer. Wo rangiert eine gestrahlte Pfeife eigentlich in deiner persönliche Hierarchie? PB: Wenn ich das Holz für meine Pfeifen aussuche, berücksichtige ich nur die Qualität - im Bewusstsein, dass nicht alle Pfeifen glatt sein werden. Eine schöne Wurzel wird auch immer eine schöne Sandstrahlung ergeben. Es ist immer sehr bewegend, einen schönen Block zu nehmen und sorgfältig auf Stil, Design und Balance zu achten - auch, wenn das Endprodukt gestrahlt wird. Während des Strahlens ist es zweifellos befriedigend zu sehen, wie sich die Maserung allmählich öffnet und die Wachstumsringe deutlich werden, die in einer glatten Pfeife unsichtbar sind. Ich liebe diese Oberflächenart nicht nur wegen ihrer Praktikabilität, sondern für das entzückende Gefühl, die Maserungsmuster in meiner Hand zu spüren. Du scheinst dich viel mit Dublin-Varianten zu beschäftigen... PB: Ich denke, diesen Eindruck hast du aufgrund vieler Besuche meiner Website. Tatsächlich gibt es dort viele Dublins, obwohl ich diese Form in der Produktion nicht wirklich vorziehe. Ich wollte im Web die Pfeifen zeigen, die mich am meisten befriedigen, und in den vergangenen Monaten waren darunter viele Dublins. Dürfte ich eine Präferenz erklären, so wäre sie für asymmetrische Cross-grain-Pfeifen mit freiem und komplexem Shape. Es macht richtig Spaß, die Harmonie zwischen Maserung und elegantem Design herzustellen. Zusammen mit Massimo Musico hast du die Pfeifenserie 'Becker & Musico' im englischen Stil herausgebracht. Komischerweise wurden sie nicht so breit bekannt, wie man erwartet hätte, obwohl Besitzer solcher Pfeifen voll des Lobes sind. Was ging schief? PB: Zwischen den Jahren 1998 und 2000 wurden Becker & Musicos auch im Ausland vertrieben. Sie trafen sofort auf die große Zustimmung der Raucher. Doch war die Nachfrage unserer Römischen Ladenkunden so intensiv, dass sie die gesamte Produktion verzehrte. Um unserer Qualitätsphilosophie treu zu bleiben, limitieren wir die Produktion nun zum Nachteil unserer ausländischen Kunden. Die Marke 'Becker & Musico' ist aber noch jung, und ich schließe einen zukünftigen Vertrieb außerhalb Italiens nicht aus. Hier kann man Paolos Pfeifen sehen und kaufen: http://www.beckerpipes.com/ |
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(19. Dezember 2003) |
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© 2003 und ViSdP: Martin Farrent