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Pfeifenbox |
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Ming für die PfeifeDie einen nehmen den kleinen Finger, andere einen Bleistift, viele leisten sich für 75 Cents das schwups verbogene Ding aus Tschechien. Doch in der Königsklasse geben sich Pfeifenstopfer als kleine Designwunder. |
Dreamscape von
Ming |
Jeff Folloder betreibt den erfolgreichsten Aschenbecher des Multimedia-Zeitalters. Seit Februar schauten bislang fast 70.000mal Besucher durch eine Webcam auf die abendlich dort abgelegten Pfeifen... von Talberts über Jouras bis hin zu antiken Dunhills. Jeff ist vieles, doch keineswegs ein Mann, der seine Schätze verbuddelt. Wer mag, kann am Folloder'schen Ascher trefflich heiteres Markenraten spielen. Aufmerksame registrieren noch etwas anderes: Dass man nebst Pfeifen nämlich auch Stopfer sammeln kann. Mal glänzt da blaues Acryl neben dem Ascher, mal wartet braves Bruyereholz oder gnadenloser Stahl. Es gibt verschlungene, verdrehte und solche, die wie eine Pfeffermühle aussehen. Eine Serie von Jeffs amerikanischem Lieblingshersteller Art Ruppelt nennt sich gar 'Traumlandschaften' - sie präsentiert sich in unregelmäßigen Formen und bunter Vielfalt, als habe ein Liliputaner-Moore Plastiken geschaffen und ein Pumuckel-Picasso sie bemalt. "Vor fünf Jahren habe ich schon erkannt, dass Art mit seinen Ming-Kahuna-Stopfern dabei war, einen Gebrauchsgegenstand in ein graziles, wunderschönes Objekt zu verwandeln", sagt Jeff Folloder, dessen Sammlung nunmehr über 30 solcher Mings umfasst. Hat sich der europäische Betrachter erst einmal von Calvinistischen Regungen frei gestrampelt (Soll das nützlich sein? Zu schön. Soll das Kunst sein? Zu klein.), mag auch ihm das Neuartige an den Stopfern von Ruppelt dämmern. Zu vergleichbaren Preisen nahe der 100-Euro-Grenze gibt es zwar in jedem Pfeifenladen exklusives Taschenwerkzeug zu erstehen. Doch was uns da üblicherweise angeboten wird, hat meist Snob-Wert und sonst nichts: das berühmte 'Accessoire', das von heimlich verunsicherten Business-Typen zur Stärkung ihrer vermeintlichen Geschmacksachse erworben wird. Warum sich das Design stets an Füllfederhalter oder Rasierzeug lehnt, wäre eine kluge Frage an die Verfechter des angeblich exklusiven Stils. Art Ruppelt hingegen nimmt die wenigen Zentimeter Material, die ihm zur Verfügung stehen, und strahlt geradezu seine gebündelte Fantasie darauf. "Stopfer sind für mich ein Weg, meine künstlerischen Triebe zu verwirklichen", sagt der erfolgreiche Anwalt. Fast mein ganzes Leben habe ich mit praktischen Dingen wie der Juristerei verbracht. Doch gleichzeitig erlebte ich auch immer diesen Sog des Schöpferischen. Diese entgegengesetzten Neigungen - zum Künstlerischen und zum Praktischen - sind in meinem Leben immer eine innere Konfliktquelle gewesen. Mit meinen Stopfern habe ich nun einen Weg gefunden, etwas Praktisches und Funktionales zu schaffen, das zugleich die Basis für künstlerischen Ausdruck bietet." Schön unnötig - aber schön Bewunderer Jeff Folloder begreift, dass Ming-Stopfer nicht jedermanns Geschmack sind. Das sei aber "just fine", winkt er ab. Bei der Highgrade-Pfeife lässt sich über objektive Genussverstärkung ja noch diskutierten, doch beim Edelstopfer wird die Grenze zur persönlichen Vorliebe endgültig überschritten. Für manchen kann schönes Zubehör eine bereichernde Abrundung des Pfeifenerlebnisses bedeuten. Andere suchen in der Werkzeugkiste nach einer großköpfigen Schraube - und gut ist. Auch Ming-Konkurrent Charles Perry muss einräumen, dass es mit der Unerlässlichkeit schöner Stopfer seine Grenzen hat. "Ich selbst sammele solche Gegenstände eher, als dass ich sie verwende. Ich muss zugeben, dass ich im Alltag häufig zum Billigwerkzeug greife." Doch eine einzige Argumentationshilfe für den Interessenten ohne schlüssige Rechtfertigungsstrategie hat Perry dann doch parat. Seit den Terroranschlägen vom September 2001 erregen die üblichen dreiteiligen Metallstopfer bei den Sicherheitskräften an Flughäfen mitunter zu viel Aufmerksamkeit. "Ich habe mir vor einer Fernost-Reise deshalb einen Stopfer aus Bruyere gemacht, den ich während der Reise oftmals wie einen Talisman in der Hand hielt. Nun ist er zu meinem Reisestopfer geworden - irgendwie beruhigt er mich." Ein weiterer praktischer Aspekt schöner Stopfer fällt dem Autor dieser Zeilen ein: Abwehr! Naht nämlich die Geschenkzeit, fürchten viele Raucher nichts mehr als die unförmige Pfeife unterm Weihnachtsbaum. Da gehen die Lieben an den Rand ihres Budgets und voller Unkenntnis in den Fachhandel, um regelmäßig die Enttäuschung des Jahres zu kredenzen. Lenken wir ihre Aufmerksamkeit doch rechtzeitig auf schöne Dinge, die zumindest keinen Schaden anrichten. |
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(9. November 2003) |
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© 2003 und ViSdP: Martin Farrent