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Midgrades vom Highgrader

 
 

Heiko Jahr war mit McGrath nicht zufrieden

Vor knapp einer Woche bot der kanadische Schnitzer John Hamilton McGrath in der deutsprachigen Internet-Diskussionsgruppe DAFT Pfeifen zu einem deutlich reduzierten Preis an - vor allem einige rustizierte. Es kam zu einem kleinen Eklat, als Webhändler Heiko Jahr in diesem Zusammenhang von Mängeln an einer Pipe berichtete, die McGrath ihm bereits zu einem früheren Zeitpunkt zur Begutachtung geschickt hatte. McGrath entgegnete, die Pfeife sei experimenteller Natur gewesen und als solche beschrieben, daher nicht zur Beurteiling seiner üblichen Qualität geeignet. Dazu war allerdings verblüffenderweise zu erfahren, dass der Kanadier die Pfeife quasi als Warenprobe an den Händler gesendet haben soll. Die Marketing-Logik wäre dann schwer auszumachen.

Inzwischen gab McGrath in der vorwiegend amerikanischen Newsgroup ASP zu erkennen, dass er zwischen seinen eigentlichen Highgrades und seinen preiswerteren 'Midgrade-Pfeifen' unterscheidet. Letztere sind demnach nicht in allen äußeren Details so perfekt wie die teuren, glatten Stücke. Für die rauchtechnischen Eigenschaften gilt dies aber nach seinen Worten mitnichten. Das 'Engineering' sei bei allen McGrath-Pfeifen gleich.

Abgesehen von den offenen Punkten des konkreten Falls stellt sich allerdings die Frage, ob ein Highgrader eigentlich gut beraten ist, in seinen preiswerteren Qualitäten ins Midgrade abzugleiten. Andere Macher, die das tun, trennen die beiden Welten immerhin sehr sorgfältig. Bei Trever Talbert, zum Beispiel, erhalten äußerlich nicht ganz befriedigende Handmades gleich den Stempel seiner erschwinglichen Serie, der ansonsten halbmaschinellen Ligne Bretagne. Der Name Talbert taucht dann in der Nomenklatur gar nicht auf. Dadurch wird eine Verwischung seines Profils im Kundenbewusstsein vermieden.

Hingegen kommen bei Versuchen, beliebig und ohne Vorwarnung über die preislichen Klassengrenzen zu springen, beträchtliche Unsicherheiten auf. Dazu fantasierte einmal STOA-Carver Todd Johnson: "Wenn Dunhill plötzlich beschließen sollte, dass Shells der Gruppe 1 nur $50 wert sind, und sie zu diesem Preis vertreiben würde, könnte der Markt nur zwischen zwei Schlussfolgerungen wählen: Entweder wären die Dunhill-Preise bisher grob übertrieben gewesen ... oder Dunhill hätte Qualitätskomprisse gemacht, um sie auf $50 zu senken. Weder die eine noch die andere Variante wäre für eine Marke gut." Johnson warnte, dass Highgrade-Sammler im Falle der zweiten Annahme zu der Ansicht kommen könnten, die Pfeifen des betreffenden Herstellers seien zu überhaupt keinem Preis mehr begehrenswert.

Die reinen Preissenkungen im Angebot McGraths erfüllen die obigen Katastrophenkriterien übrigens nicht, sondern sind klar als Bestandteil einer Sonderaktion ausgewiesen. Es ist das Vorhandensein zweier Pfeifenklassen in seinem handwerklichen Handeln, das Verwirrung auslösen könnte. Will McGrath preiswerte Alltagspfeifen anbieten, zugleich aber Highgrader sein, sollte er sich die Frage stellen, ob sein Standing vielleicht schon zu einer Politik getrennter Marken ausreicht. Talbert, aber auch Former (mit seinen Bentleys) wenden eine solche erfolgreich an. Ohne Markentrennung ist aber das gelegentliche 'Midgraden' für Top-Carver riskant. Der Kunde will schließlich wissen, welchen Hut der Macher bei der Herstellung einer Pfeife gerade trug.

 
 

(16. Oktober 2003)

     

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© 2003 und ViSdP: Martin Farrent