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American Smoking Pipes

Amerikas wohl populärster Einzelschnitzer ist Mark Tinsky, dessen American Smoking Pipes seit über zwei Jahrzehnten nicht nur durch moderate Preise, sondern auch mit gutmütigen Raucheigenschaften überzeugen. Doch liegt Tinskys Geheimnis nicht nur im Handwerklichen: Es ist ebenso seine Bereitschaft, on- und offline über sein Metier, über das Angeln und über das ganze Leben auf diesem Planeten zu plaudern, die Rauchern eine gewisse Geborgenheit gibt, wenn sie eine Tinsky-Pfeife in die Hand nehmen. Sie rauchen gewissermaßen die Pipe eines guten Kumpels.

 
  Xmas 2003 in der Tanshell-Variante

Eine Eigenschaft, die Mark - nebenher bemerkt - mit Rainer Barbi teilt, ist die Unlust an Mythen. Er räumt in Internet-Diskussionen und anderswo gern mit Irrweisheiten der gängigen Taschenbücher und pfeifologischen Medizinmänner auf - wie auch in diesem Interview. In dessen Verlauf wird klar, dass Mark Tinsky sicher kein hyper-nevöser Perfektionist ist. Sein Streben gilt vielmehr einem gesunden Verhältnis von Aufwand und Ergebnis mit Blick auf das anspruchsvolle, doch nicht unbedingt fanatische Publikum... Preis-/Leistungsstimmigkeit nennt das dann der Kunde.

Du ärgerst dich über viele Klischees der Pfeifenwelt. Beispielsweise sagst du häufig, dass die Carverei gar nicht so zeitraubend ist, wie von manchen deiner Kollegen behauptet.

MT: Na ja, ich kann ja nur für mich selbst reden. Es gibt eine Menge Leute, die in die Pfeifenmacherei einsteigen. Aufgrund der Informationen im Web können sie viele der frühen Lektionen überspringen, mit denen man bislang Jahre verbrachte. Allerdings war dieser Lernprozess auch damit verbunden, dass Carver an ihren Fähigkeiten feilten und effizient wurden. Während also manche dieser talentierten jungen Macher heute erstklassige Pfeifen produzieren, haben sie einige der zeitsparenden Kniffe ihrer älteren Berufsgenossen nie gelernt. Was bei manchen zehn Stunden dauert, kann ein Profi in zwei erledigen, wenn ich das einmal so platt sagen darf.

Ein anderes Beispiel wäre das so begehrenswerte Dead Root Briar...

MT: Dead Root ist überhaupt nicht begehrenswert! Es handelt sich um einen falschen Marketingtrick. Michael Butera hat mir einmal erzählt, dass er beim Bruyere-Einkauf in Italien vom Eigentümer der Mühle hörte, dass man tote Wurzel gar nicht erst ausgräbt. Sie sind voller Risse und geben keine einzige Kantel her!

Sind einige Hersteller also darauf aus, die Dinge komplizierter zu schildern, als sie eigentlich sind?

MT: Ich habe von Machern gehört, die unnötige Dinge tun, die zeitraubend sind und daher die Preise erhöhen. Beispielsweise gibt es keinen Grund, das innere des Kopfes mit 2000 Grit zu schleifen, wo doch eine rauere Oberfläche besser Kohle ansetzt. Aber wenn der Kunde es für erstrebenswert hält, wer bin schon ich?

Deine Kunden schätzen die Pragmatik und Rauchbarkeit deiner Pfeifen. Viele zählen sie zu den zuverlässigsten auf dem amerikanischen Markt. Allerdings peilst du selten das ausgesprochen Highgrade- oder 'skulpturelle' Segment an. Schätzt du solche Pfeifen persönlich?

MT: Sogar sehr! Das Design und die Pfeifen von Ed Burak und Tony Pesante - oder von wem auch immer Ed heutzutage an Bord hat - fasziniert mich oft. Auch Walt Cannoy macht fantastische Arbeit. Joan de Saladich macht bemerkenswerte Skulpturen, und Kent Rasmussen macht wundervoll originelle Sachen.

Kannst du ungefähr einschätzen, wie viele Leute in Deutschland eine Tinsky haben?

MT: Naja, ich weiß ja, dass du welche hast [lacht]. Es gibt da auch einige andere Europäer wie Erwin Van Hove. Das sind Leute, die vor nicht allzu langer Zeit gekauft haben. Die Namen von Kunden aus entfernterer Vergangenheit habe ich leider vergessen.

Ist dir der europäische Markt wichtig? Wächst vielleicht seine Bedeutung für dich?

MT: Jeder Markt ist wichtig. Durch das Web kann man die ganze Welt erreichen. Viele kleineren Hersteller wie ich haben keine Marketingstrategie. Wir haben keine Distributoren in Europa, ja, nicht einmal hier (in Amerika) haben wir sie. Werbung ist zwar wichtig, aber auch teuer. Ich ziehe Mund-zu-Mund-Propaganda vor. Auch mag ich keinen Hype - und darauf läuft es bei der Werbung hinaus. Ich halte es für wichtig und befriedigender, die Kundenbasis auf echten Qualitäten aufzubauen und nicht auf Voreingenommenheiten aus der Werbung.

Viele Verkäufe über den großen Teich hängen von der Stärke des Dollar ab. Im Augenblick gibt es aufgrund seiner Schwäche mehr Käufer. Das liegt aber natürlich außerhalb meiner Kontrolle.

Dein Sohn Glenn macht schon eigene Pfeifen. Hoffst du, dass er daraus einen Beruf macht?

MT: Ich hoffe einfach, dass er glücklich ist, wofür auch immer er sich entscheidet. Er ist ziemlich multi-talentiert. Er spielt Gitarre und Banjo und singt wunderschön. Er beginnt auch, eigene philosophische Sachen zu schreiben.

Er hat ein sehr gutes Auge für die Symmetrie. Ich muss gestehen, dass ich ihm meine Pfeifen oft zeige, wenn ich letzte Korrekturen brauche. Beim Design der diesjährigen Weihnachtspfeife hat er mir sehr geholfen.

Wie sieht denn die Weihnachtspfeife in diesem Jahr aus?

MT: In diesem Jahr ist es die 21. jährliche Weihnachtspfeife. Sie ist möglicherweise die kleinste in der ganzen Reihe - im Dunhill-Maßstab vielleicht eine Viereinhalb. Ich glaube, es gibt heute einen Trend zu kleineren Pfeifen. Wenn ich nicht gerade beim Angeln bin, neige ich selbst zu den kleineren Größen.

Wenn ich Standard-Shapes wie die diesjährige Author nehme, besteht mein Konzept darin, die besten Elemente aus anderen Interpretationen zu nehmen und dann etwas hinzu zu fügen, das ich für möglicherweise einzigartig halte und das die Form ergänzt.

American Smoking Pipes: http://www.amsmoke.com

 
 

(3. November 2003)

     

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