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"Auch jene, die sich Highgrades nicht leisten können"

Zu den noch halbwegs lukrativen Aussichten im Pfeifengeschäft gehört die Herstellung von Mittelklassepipen in Italien - entsprechendes Tempo vorausgesetzt. Mit der Produktivität hat Marco Biagini ja nachweislich keine Probleme. Der Eigentümer von Moretti bringt es eigenhändig auf rund 1000 Stück im Jahr. Trotz Verbesserungen an Details dürfte er weiterhin ein erschwingliches Preissegment bedienen.

 
  Biagini macht Handarbeit zu sehr attraktiven Preisen.

"Meine Preise sind niedriger als die anderer Marken", sagt Biagini, "die Qualität jedoch nicht. Ich will, dass alle Pfeifenraucher eine hervorragende Pfeife kaufen können, auch dienjenigen, die sich Highgrades nicht leisten können."

Ein klares und (hoffentlich) verpflichtendes Wort. Doch trotz der fast fantastisch moderaten Preise seiner Morettis gilt Marco als Carver mit Potenzial für die Spitzenklasse - dabei bis vor kurzem außerhalb seiner Heimat noch Geheimtipp. So reagieren Sammler in jüngster Zeit mit Genugtuung darauf, dass er ihrem Drängen folgt und deutliche Schritte in Richtung Perfektionismus macht.

Bescheiden führt Marco die jüngsten Verbesserungen an seinem Produkt auf die kommunikativen Möglichkeiten des Internet zurück. "Bis vor rund einem Jahr machte ich Pfeifen einfach mit dem Ziel, dass sie sich gut rauchen ließen", sagt der Eigentümer eines beachtlichen Vorrats alten Bruyere-Holzes. "Doch nun habe ich eine Website und die Gelegenheit, einige Details im Dialog mit vielen Freunden zu verbessern." Neben dem Finish mit 1200er Schleifpapier hat er vor allem Alternativen zum landesüblichen Acrylmundstück eingeführt. So gibt es Morettis nun auch mit handgeschnittenem Ebonit- und Cumberlandbiss. Außerdem hat Biagini die Anregung eines Sammlers aufgegriffen, verstärkt Pfeifen mit Birdseye-Maserung zu schnitzen. Zwar hält sich die einheimische Kundschaft diesbezüglich in Grenzen, doch ist die Birdseye-Fangemeinde im Ausland nicht unbeträchtlich (was Marco vor seiner Online-Zeit nicht wusste).

Kenner spekulieren, dass Biagini neben handgemachten Midgrades in bereits hoher Qualität auch eine kleinere, exklusivere Highgrade-Reihe einführen könnte. Die Frage danach beantwortet er nicht eindeutig. Sicherlich stehen ihm indes Alternativen zu einem derart formellen Schritt offen: die Sonderanfertigung auf Bestellung und die organische Abrundung seiner bisherigen Produktpalette nach oben bedürften weniger Marketing-Verrenkung. Letztere Strategie birgt allerdings Tücken, erzielt doch die Ausnahmepfeife eines bekannten Midgraders selten den Preis gleichwertiger Ware vom Raritätenschnitzer. Eine Winslow bleibt verflixterweise eine Winslow - selbst wenn sie den Bang-Stempel verdient hätte. Klar scheint jedenfalls, dass sich Biagini auch weiterhin vornehmlich den bezahlbaren Pfeifen widmen wird. Insider gehen kaum davon aus, dass er diesen Sektor vernachlässigen will.

Marco Biaginis Website: www.pipemoretti.com

 
 

(14. November 2003)

     

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© 2003 und ViSdP: Martin Farrent