Interview

Zurück...

"Ein Stück meiner Persönlichkeit"

Die Vorliebe amerikanischer Carver für das Rustizieren und Sandstrahlen lässt sich nicht nur mit der Beschaffenheit des in den USA verfügbaren Holzes begründen. Eine heimliche Präferenz für die unglatte Pfeife 'an sich' erklärt auch die oftmals hinreißende Qualität mancher Sandstrahl- oder Rustizierarbeit aus Amerika. US-Star Larry Roush erläutert in einem Interview seine Liebe zum rauhen Genre.

 
 
Roush in seiner Werkstatt

Europäische Sammler haben sich oftmals verblüfft über deine Preisgestaltung geäußert. Da ihnen Sandstrahlen und Rustizieren vorwiegend als Notmaßnahmen gelten, überrascht die relative preisliche Nähe zwischen deinen glatten und 'rauhen' Stücken. Was bedeuten dir die nicht glatten Pfeifen persönlich?

LR: Ein einziges Arbeitsprinzip gilt für alle meine Pfeifen. Ich verbringe mit jeder die Zeit, die sie erfordert, und nehme nie eine Abkürzung. Viele Menschen wären überrascht zu erfahren, dass ich für eine rustizierte Pfeife wahrscheinlich länger brauche als für eine glatte. Eine gestrahlte erfordert wiederum mehr Zeit als eine rustizierte.

Ich muss eine bestimmte Mindestsumme verdienen, und darüber hinaus ist eine Straight Grain schwerer zu finden, also teurer. Anonsten bekommst du bei mir ungeachtet des Finish optimale Rauchqualität und Verarbeitung. Ich schätze, andere Pfeifenmacher rustizieren zuweilen, um ein Stück vor dem Kamin zu retten. Aber bei mir wird schon dann rustiziert oder gestrahlt, wenn das Holz nicht zu der glatten Pfeife geeignet ist, die ich gerne sähe. Nicht viele Hersteller rustizieren or strahlen einen Kopf, der zu einer glatten Pfeife reichen würde. Ich mache das aber ziemlich oft. Das liegt an meinen persönlichen Standards.

Beispielsweise hätte die Billiard auf meiner Website eine glatte Pfeife werden können. Nach den Maßstäben der meisten Macher wäre sie sogar eine schöne geworden. Ich war damit aber nicht zufrieden und rustizierte sie. Rauhe Pfeifen - großartige Rustizierungen oder Sandstrahlarbeiten - spiegeln das Können eines Carvers wirklich wieder. Eine glatte ist wunderschön, doch ist das die Natur, die Maserung, liegt außerhalb der Kontrolle des Pfeifenmachers. Schöne Rustizierungen und Sandstrahlungen geben direkt das Verhältnis des Carvers zum Detail wieder, zur künstlerischen Kreativität, zur Hingabe und zu der Zeit, die es braucht, sich von anderen abzuheben. Wenn du dir meine Arbeit anschaust, dann siehst du, dass ich nicht einfach über meine Techniken gestolpert bin. Sie waren nur durch viele Experimente zu entwickeln. Die Qualität meiner Arbeit reflektiert mein Begehren, meine Stücke von denen anderer unterscheiden zu können, einen hohen Standard zu setzen, der meine Kreativität und meinen Schaffensdrang wiedergibt. Wenn du eine rustizierte oder gestrahlte Roush kaufst, erwirbst du ein Stück meiner Persönlichkeit und Kreativität - nicht einfach eine Pfeife, die ich vor dem Kamin retten musste.

Wie erzielst du deinen Rustizierungseffekt - tief zerklüftet und dennoch weich anzusehen?

LR: Durch viele Jahre der Entwicklung. Als ich mit dem Rustizieren begann, sah ich mir zahlreiche Pfeifen an. Die einzige Rustizierungsart, die mich ansprach, war die der Castello Sea Rock. Doch so gut sie auch war, wollte ich etwas besseres. Ich begann, an meiner Technik zu arbeiten und hörte nicht auf, bis ich etwas geschaffen hatte, das ich selbst gern rauchen und anfassen wollte. Bei so viel Auswahl wusste ich, dass ich etwas Besonderes brauchte, um anders zu sein. Ich schätze also, mein Geheimnis besteht darin, dass ich mir um die Pfeife und ihre Wahrnehmung durch den Sammler mehr Gedanken mache, nicht einfach ein Stück Holz retten will. Ich bin bereit, die nötige Zeit in ein Stück zu investieren, auch wenn es keine glatte Pfeife wird. Ich nehme mir einfach die Zeit, es richtig zu machen.

Du strahlst in letzter Zeit auch viel. Die Ergebnisse sehen beinahe 'geologisch' aus. Wie machst du das?

LR: Auch hier ist mein Geheimnis... Zeit. Du kannst eine großartige Rustizeriung oder Strahlung nicht übers Knie brechen. Klar, kann ich eine Pfeife in fünf Minuten strahlen, ja sie wäre sogar besser als die meisten Pfeifen da draußen. Aber mit Mittelmäßigem gebe ich mich nicht zufrieden - also verbringe ich Stunden, die Strahlung so hin zu kriegen, wie ich sie haben will.

Welche anderen Carver würdest du als Meister des Sandstrahlens ansehen?

LR: Trever Talbert in Frankreich. In den USA? Jim Cooke.

Schließlich eine Frage zu deinen Shapes. Deine Pokerhawk ist ja nach einem Design von Tabak-Blender Greg Pease, und doch passt sie perfekt in deine Formenpalette. Wo bekommst du sonst noch Designideen?

LR: Wie du vielleicht bemerkt hast, erhalte ich von klassischen Standardformen die meiste Inspiration. So fühle ich mich, und ich versuche auch nicht, eine dänisch aussehende Pfeife zu machen. Sie wäre einfach nicht meine. Ich würde sie auch vermasseln. Sicher sehe ich in einigen etablierten Meistern Inspirationsquellen, aber ich versuche immer ernsthaft, meine eigene Persönlichkeit einzubringen. Wenn ich eine Eltang, Barbi oder sonst eine Pfeife haben will, dann kaufe ich eine von ihrem Hersteller - keine ähnlich aussehende von irgendeinem anderen. Ich sehe gewissenhaft davon ab, Shapes zu kopieren. Naja, klar verwende ich die Standards, die generischen Shapes, aber dafür sind sie ja da. Klassische Shapes sind meiner Ansicht nach annehmbare Vorbilder.

Greg Pease hat für mich mehrere Pfeifen entworfen. Er ist der Einzige, mit dem ich eine Form zusammen erarbeiten kann. Er weiß, wer ich bin, was ich bin, was zu schaffen ich imstande bin. Einige Formen, die alle anderen machen, lehne ich ab, weil ich das Design nicht mag. Er würde mir nie eine solche Form vorschlagen.

http://www.roushpipes.com

 
 

(24. Oktober 2003)

     

Zurück...

© 2003 und ViSdP: Martin Farrent