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Karl Erik macht kirreRund 2500 Pfeifen will der Däne Karl Erik Ottendahl im kommenden Jahr herstellen - das weiß er jetzt schon. Hauptabnehmer sind Raucher in Deutschland und den USA, wo seine erschwinglichen Semi-Handmades mit preiswerten Italienern um die Gunst qualitätsbewusster Durchschnittskäufer konkurrieren. Passend zur angelsächsischen Vornamenkultur heißen die Pipen in den USA wie gewohnt 'Karl Erik', während sie im distanzierteren Deutschland inzwischen als 'Ottendahls' verkauft werden. Dem liegt allerdings keine bikulturelle Marketing-Sensibilität, sondern eine recht kuriose Markenveräußerung zugrunde. |
Wem ist sie nun? |
Eitel ist Karl Erik nicht. Seine Philosophie lautet, bezahlbare Pfeifen nach den Wünschen der rauchenden Normalbürger herzustellen - Handmades zwar, doch in dafür enormer Stückzahl und nicht ohne maschinelle Hilfe. Allerdings betonte er in einem Gespräch mit der Pfeifenbox, dass Kopierfräsen bei seiner Produktionsweise außen vor bleiben. Als einer der letzten Dänen beackert er ein Feld, das inzwischen vorwiegend Italienern gehört. Lakonisch bemerkt Ottendahl, dass unter seinen eigenen Landsleuten jüngeren Jahrgangs wohl kaum einer "dumm genug" sei, die Tradition der handgemachten Erschwinglichkeit fortzusetzen. Die wahren Gründe für den Rückgang der dänischen Mittelklasse dürften indes woanders zu suchen sein. Ein erfolgloser Mensch ist K.E. jedenfalls nicht. Uneitel wie er ist, hat Karl Erik Ottendahl die deutschen Rechte an seinen beiden Vornamen vor einiger Zeit dem Pfeifenstudio Hartmann übertragen, bekannter als Produzent von Design Berlin (db). Hierzulande verkaufte (aktuelle) Karl Eriks mögen daher zwar an den Stil des Skandinaviers erinnern, werden aber in der Thüringer db-Fabrik hergestellt und sind so dänisch wie die Bratwurst. Auch in Deutschland erscheinen allerdings weiterhin 'echte' Karl Eriks - seither aber unter dem neueren Markennamen 'Ottendahl'. Ansonsten heißen Karl Erik Ottendahls Pfeifen überall auf der Welt noch heute 'Karl Erik' - so wohl das Konzept, anders jedoch die detaillierte Wirklichkeit: Denn wer mit Identitäten spielt, lädt zur Verwirrung ein. Außerdem war die Passierbarkeit des Atlantiks bereits Ottendahls Wikinger-Vorfahren bekannt. So gelangt die eine oder andere (von Karl Erik stammende) Karl Erik nun doch als Ottendahl in die USA und in die Gerüchteküche interessierter Kreise dort. Diese gebaren doch flugs das Märchen von der gehobenen Karl Erik namens 'Ottendahl' - einen Tick besser als die einfachen, wie uns ein amerikanischer Online-Händler versichert. Erneut freut man sich über die Expertise mancher Fachverkäufer und über den virtuellen Aufstieg der betroffenen Pfeifen. Dergestalt ist das berühmte Wissen, das in keinem Buche steht, und auch aus solchen Zugaben entsteht zuweilen Händlermehrwert. |
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(28. November 2003) |
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© 2003 und ViSdP: Martin Farrent