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Perfektionist und Tüftler

Der 1949 geborene Jörn Larsen gehört zu den oft Übersehenen unter Dänemarks Spitzencarvern. Vielleicht liegt es daran, dass er sich wenig in Szene setzt. "Die meisten dänischen Pfeifenmacher sind heute sehr gut darin, um die Welt zu reisen und ihre Pfeifen zu zeigen", sagt er. "In dem Punkt bin ich nicht so gut."

 
  Jörn Larsen

Dabei bescheinigen ihm Kenner große qualitätsmäßige Nähe zu seinem Mentor und engen Freund Jess Chonowitsch, womit seine Pipen - wenngleich nicht billig - zu den 'Schnäppchen' gehören dürften. Erfrischend unumwunden räumt der gelernte Maschinenbauer den Jess'schen Einfluss auf sein Schaffen ein, weist aber darauf hin, dass er sich längst auch in eigene Richtungen bewegt.

"Als ich Jess vor rund 20 Jahren traf, war er schon seit Jahren Pfeifenmacher", sagt Jörn der Pfeifenbox. "Ich arbeitete seinerzeit mit Maschinen und betrieb die Pfeifenmacherei als Hobby. Mir kamen die Pfeifen von Jess damals irritierend schön vor - und schön sind sie heute noch. So wurde es einfach zu meinem Ziel, diese Stufe zu erreichen."

Dass Jörn diese Ambition weitgehend realisiert hat, bestätigt eine seltene Ehrung. Für das Tabak-Lädeli in Zürich fertigt er die von Jess entworfenen Hauspfeifen. Eingedenk der Tatsache, dass in dem Edelshop ansonsten Chonowitsch, Bo Nordh, Lars Ivarsson und Jörn Micke verkauft werden, kommt dies einer Aufnahme in den absoluten Carver-Olymp (mindestens) halb gleich.

Heute, sagt Jörn zu seiner Formgebung, bewege er sich allerdings etwas von der Sprache des hoch gefeierten Freundes weg. Die Emanzipation mag dabei eine subtile sein. "Um ein guter Pfeifenmacher zu sein, braucht man ein Auge für Details. Oft liegen in sehr kleinen Details die Unterschiede."

Klassiker in Vollendung - Freehands mit Diskretion

Die Pfeifen von Jörn Larsen teilen sich ganz klar in zwei Gruppen auf. Mit seinen gediegenen Freehands überschreitet er nie die Grenzen zum Bizarren, zeigt aber zuweilen eine Unkonventionalität, die eigentlich nicht zu seinem Ruf gehört. Auf der anderen Seite liebt er die klassischen, englischen Formen. Eine Lovat von Jörn ist für viele Sammler die gelungenste Interpretation dieses Shapes überhaupt.

Diskutiert wird gelegentlich - mitunter mit dem Zeigefinger des Purismus - über Jörn Larsens Verhältnis zur Maschine. Bekannt ist, dass er viele Apparate in seiner Werkstatt selbst entworfen und gebaut hat. Er selbst sieht in der maschinellen Unterstützung mancher Arbeitsschritte indes keinen Tabubruch und fragt, welcher Pfeifenmacher denn nicht mit mechanischer Hilfe agiere. "Beim Arbeiten in der Werkstatt denke ich oft darüber nach, wie ich Dinge besser machen kann", kommentiert er seine Erfindungen, die seine Arbeit "in vielfältiger Weise" erleichtern. Festzustellen bleibt, dass zwischen Serie und Skulptur wohl mehr Erscheinungen liegen, als manche Theoretiker zulassen möchten. In einer kürzlichen Online-Diskussion zum Thema wurde dies von Carvern und Sammlern bestätigt. Nicht jede Zugabe von Technik brandmarkt eine Pfeife als Fließbandstück. Wer eine Pipe von Jörn erwirbt, kann sich ihrer Herkunft aus perfektionistischem Stall gewiss sein. Und überhaupt scheint der Einsatz selbst ertüftelter Apparate die Ergebnisse eher zu bereichern als zu schmälern.

"Die Herstellung einer guten Pfeife ist für mich eine Kombination aus Maschinen- und Handarbeit", erläutert Jörn. "Natürlich ist es sehr günstig, eine Begabung für Maschinen und Werkzeug zu haben; denn zu kaufen gibt es sie nicht."

Zur Zukunft der Pfeifenmacherei in Dänemark mag Jörn Larsen keine rechte Prognose abgeben. Die meisten dänischen Pfeifenmacher haben das 50. Lebensjahr überschritten, "und auf die eine oder andere Art werden sie überleben. Derzeit geht es denen, die am wenigsten Pfeifen machen, wirtschaftlich am besten." Doch: "Was künftig passieren wird, weiß ich nicht. Ich glaube nicht, dass es einfacher werden dürfte, Pfeifenmacher zu sein."

Jörns Pfeifen gibt es hier zu sehen: http://www.danishpipemakers.com/makers/jorn/index.shtml

 
 

(6. November 2003)

     

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