Interview

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Mummerts Mundstücke

Der deutsche Carver Werner Mummert machte bislang Mundstücke ohne Schlitz, weil er den Verzicht auf Ausfächerung im Ergebnis durchbissfester findet. Vor kurzem hat er die Devise des rund endenden Rauchkanals aus geschäftlichen Gründen überdacht, zeigt sich aber in einem Interview weiterhin von der Idee an sich überzeugt.

 

Du hast jüngst in der Öffentlichkeit eine Diskussion über deine eigenen Mundstücke eröffnet. Bist du dir diesbezüglich unsicher, oder gab es einen anderen Grund?

WM: Ich selbst bin von meinen Mundstücken hunderprozentig überzeugt. Schließlich mache ich sie in dieser Art schon seit 1987. Meine eigenen Mundstücke habe ich bis jetzt noch nie 'geknackt', obwohl sie alle sehr schön schlank sind. Ich denke schon, dass ich ein relativ anspruchsvoller Pfeifenraucher bin, und habe an den Raucheigenschaften meiner Pfeifen mit den dazu gehörenden Mundstücken nicht das geringste auszusetzen. Kritik kam kürzlich aus dem Ausland - ich bekam zu hören, dass meine Mundstücke ohne Schlitz von der Kundschaft nicht akzeptiert würden.

Mummert-Mundstücke mit Schlitz - und ohne

Ich habe mich darauf eingestellt und versehe die Pfeifen, die ins Ausland gehen, nun mit einem geschlitzten Mundstück. Der Kunde ist König, auch wenn man selbst einer anderen Meinung ist. Solange ich die Freiheit habe, meine Pfeifen selbst zu entwerfen, was ich mir auch nicht nehmen lasse, ist die ganze Sache ja auch keine Riesenangelegenheit und ein Minimum an Mehrarbeit. Da es verlangt wird, habe ich mich darauf eingestellt. Ich finde es nur schade, dass meine (subjektiv gesehen) gute Idee nicht akzeptiert wird, obwohl sie eine Verbesserung beinhaltet. Die Diskussion habe ich in die Öffentlichkeit gestellt, um mir die Meinung anderer anzuhören, - letztendlich, um zu entscheiden, ob ich zukünftig alle meine Pfeifen mit Schlitzmundstück machen werde oder nicht.

Du scheinst zuweilen in den USA mehr Anerkennung zu ernten als im eigenen Land. Amerikanische Sammler nennen deinen Namen jedenfalls recht häufig bei einer Aufzählung der besseren deutschen Carver. Allerdings kann man den Eindruck bekommen, dass du dich auch mehr um den amerikanischen Markt bemühst als um den deutschen. Stimmt das?

WM: Ja, in der Tat du hast recht. Das kommt aber nicht von mir. Seitdem ich meine Pfeifen im Internet anbiete, ist das Interesse aus Amerika sprunghaft gestiegen. Es ist für mich bei meiner begrenzten Zeit effizienter, die Pfeifen zu Hause zu fotografieren und ins Web zu stellen, als sie auf Messen und Ausstellungen zu präsentieren. Das Interesse deutscher Händler hält sich in Grenzen. Das hat wahrscheinlich auch was damit zu tun, dass ich meine Pfeifen im Nebenberuf herstelle und keine so großen Stückzahlen produzieren kann. Die amerikanischen Händler scheinen das lockerer zu sehen. Auch ist die Reaktion nach Postings, die ich ab und an einstelle, sehr unterschiedlich. Wenn ich meine Server-Statistiken auswerte, sehe ich, dass ich eine wesentlich größere Zahl an Zugriffen aus den USA als von Deutschland aus habe. Ich habe mich dahingehend auf den ausländischen Markt eingestellt, dass ich wieder mehr Pfeifen mit Normalbohrung herstelle. Ansonsten ist mir ein deutscher Kunde genauso lieb wie ein amerikanischer Kunde.

Deine Arbeit beschränkt sich nicht auf Pfeifen, sondern umfasst zum Beispiel auch exklusive Messer. Siehst du dich eher als Hersteller von Gebrauchsgegenständen oder als Pfeifenkünstler? Wie hoch ist überhaupt der Kunstanteil an der Pipenmacherei?

WM: Manchmal habe ich einfach das Gefühl, dass ich etwas anderes machen muss. Das brachte mich zum Beispiel dazu, aus meinen Bruyereholzresten Kreisel zu drechseln. Die Nachfrage war da und ich machte weiter, auch mit anderen Hölzern und Materialien. Dasselbe mit Pistolengriffen und Messern. Die Nachfrage kam ursprünglich von meiner Pfeifenkundschaft. Was ich mache, sind ja auch überwiegend 'Männerspielzeuge'. Wenn ich was mache, entspringt es meiner Phantasie - ausgenommen sind natürlich Pistolengriffe, da bin ich ja an Vorgaben gebunden. Ich versuche, meine Gedanken mittels meiner Werkzeuge, die mir zur Verfügung stehen, so gut wie möglich in die Realität umzusetzen. Bei den Pfeifen sind mir natürlich Grenzen durch den Wuchs und den Zuschnitt des Holzes gegeben. Bei den klassischen Formen sind nur geringfügige Variationen möglich, die ich aber gerne ausschöpfe. Aber beispielsweise bei meinen Goldfischpfeifen ist meiner Meinung nach der künstlerische Anteil recht hoch. Ich selbst sehe mich als Kunsthandwerker, der aus hochwertigen Materialien anspruchsvoll gestaltete und verarbeitete Gebrauchsartikel herstellt.

Eine sensible Frage: Welcher deutsche Carver-Kollege ist deiner Ansicht nach der Beste?

WM: Es gibt Pfeifenmacher, die ich sehr schätze. Ich habe schon etliche Freehands begutachtet und bewundert. Besonders beeindrucken mich die Modelle von Joura und Barbi. Auch Safferling hat seinen eigenen Stil, den ich nicht schlecht finde.

Im Zeitalter des Internet sollte man sich aber nicht an geographischen Grenzen orientieren. Eine italienische oder dänische Pfeife ist in Deutschland mittlerweile fast genauso einfach zu bekommen wie eine aus Amerika oder aus dem früheren Ostblock. Jeder Pfeifenmacher, der seine Produkte kommerziell anbietet, gibt sein Bestes in Verarbeitung und Formgebung. Er hat seinen eigenen Stil und ist davon auch überzeugt. Das schätze ich an jedem Handwerk, egal ob Pfeifenmacher oder sonstiger Gestalter, und ich respektiere alle Werke meiner Mitanbieter. Was ich nicht leiden kann, ist Ideenklau. Aber meistens haben es diese Zeitgenossen auch nötig - und man sieht bei genauem Hinschauen schon, was Sache ist. Wenn die Formgebung oder Verarbeitungsqualität nicht stimmt, wird man schnell bestraft. Das habe ich in den über 15 Jahren, in denen ich Pfeifen mache, auch schon miterlebt.

 

Bezugsquelle: http://www.wmummert.de

(17. Oktober 2003)

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