| Interview |
Ganz oben ist Paolo BeckerDer in Rom lebende Amerikaner Laurence Steinman handelt aus Leidenschaft mit Estate-Pfeifen. Auf seiner Website befinden sich erwartungsgemäß häufig die Werke der großen Italiener. Ich fragte ihn nach dem gegenwärtigen Marktwert der italienischen Pfeife |
Laurence Steinman mit seiner Ware |
Wer zählt für dich zu den wirklichen Highgradern von Weltklasse in Italien? LS: Für mich steht Paolo Becker ganz oben auf dem Gipfel der italienischen Pfeifenmacherei. Seine Pfeifen haben eine herrliche Maserung und sind leichtgewichtig. Die Formen sind umwerfend und stets superb umgesetzt. Was mich außerdem immer wieder in Erstaunen versetzt, sind seine Mundstücke. Viele Jahre lang rauchte ich fast exklusiv englische Pfeifen und hasste Acryl. Aber Becker-Mundstücke sind dünn und so gemacht, dass sie ohne Mühe des Rauchers zwischen seinen Zähnen ruhen. Baldo Baldi gehört für mich auch zur oberen Schicht der italienischen Carver. Es macht ganz gewiss fantastische Pfeifen. Allerdings sind sie für meinen Geschmack etwas schwer und der Biss oft zu dick. Persönlich glaube ich, dass Baldi Ästhetik über Praktikabilität stellt. Dennoch gehört er sicher zum italienischen Pfeifenmacher-Olymp. Außerdem glaube ich, dass die besseren Pfeifen von Le Nuvole, Amorelli und Radice als das angesehen werden sollten, was sie sind: sorgfältigst gearbeitete Highgrades! Was ist mit Castello und Ser Jacopo? Castello macht wunderbare Stücke, doch finde ich die Formen etwas zu konservativ und den Biss meist ein bisschen dick. Aus designerischer Sicht gehört Ser Jacopo wohl zu den wichtigsten italienischen Innovatoren. Doch obwohl ich die Handwerker dort kenne, fühle ich mich mehr zu Pfeifen hingezogen, die den Namen eines einzelnen Carversa tragen, weniger zu Teams. Diese sehr subjektive Vorliebe hält mich davon ab, Castello, Ser Jacopo und andere als echte Highgrader anzusehen. Teure Italiener verkaufen sich als Estates offenbar nicht so leicht wie dänische oder alte englische Pfeifen. Auf deiner Site sind seit Monaten zwei recht günstig kalkulierte Baldis. Wie erklärst du dir das laue Interesse daran? LS: Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, warum teure italienische Estates nicht den verrückten Sammlerstatus der englischen, dänischen oder amerikanischen Pfeifen haben. Es stimmt zwar, dass einige Italiener durch den Einsatz vorgefertigter Acryl-Mundstücke an atemberaubend gemasertem Bruyere-Holz einen Mangel an Detailliebe und Kundennähe erkennen lassen. Eindeutig trifft das aber nicht für Spitzencarver wie Baldi und Becker zu. |
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Die Menschen sind merkwürdig und Sammler sind noch merkwürdiger. Ich glaube ernsthaft, dass sich nur ein richtig angesehener Sammler in eine Marke verlieben muss und ein paar andere ihm dann folgen müssen, um einen Domino-Effekt zu erzeugen. Sammelwürdigkeit hat viel mit dem wahrgenommenen Wert zu tun. |
Diese Pfeife von Baldo Baldi wartete Monate auf einen Käufer. |
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Kaufen auch die Italiener Estates? LS: Der Estate-Markt in Italien wächst, obwohl nicht im Ausmaß des amerikanischen. Viele italienische Läden verkaufen auch aufgearbeitete Estates. Aber eigentlich liegt es an Internet-Händlern, an Ebay und dem amerikanischen Estate-Markt, dass die Szene auch in Italien aufgeblüht ist. |
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(16. Oktober 2003) |
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© 2003 und ViSdP: Martin Farrent