Interview

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Das wachsende Interesse an nordamerikanischen Pfeifen weckt ganz pragmatische Fragen und Unsicherheiten. Wie sicher ist der europäische Käufer vor 'Unfällen' im transatlantischen Bestellgeschäft mit Carvern und Händlern? Wie sinnvoll sind überhaupt 'Investitionen' in amerikanische Unikate?

 
 

Erwin Van Hove

Der belgische Sammler Erwin Van Hove hat bisher rund 30 Pfeifen von etwa 20 verschiedenen US-amerikanischen und kanadischen Herstellern gekauft. Hinzu kommen "viele dutzend Geschäfte mit amerikanischen Sammlern, bei denen es meist um europäische Pfeifen ging", wie er sagt. Ich fragte Erwin nach guten und schlechten Erfahrungen.

Wie oft sind bei dir Geschäfte mit Nordamerikanern richtig schief gelaufen?

EVH: Bisher hat es nur mit einem einzigen Carver und mit einem einzigen amerikanischen Händler Probleme gegeben. Einmal wurde ich auch bei Ebay-USA gelinkt und erhielt die bezahlte Pfeife nie. Ein Mitglied der Newsgroup ASP hat's ebenfalls einmal auf die unehrliche Tour versucht, wurde aber von anderen Sammlern erfolgreich unter Druck gesetzt und lieferte schließlich.

Was kann man machen, wenn eine Pfeife einfach nicht eintrifft?

EVH: Das ist mir bisher nur mit der eben erwähnten Ebay-Pfeife passiert - ich schrieb den Verkäufer mehrmals an, doch reagierte er nicht und verschwand auch von Ebay. Ganz klar ein Fall von Betrug. Dem genannten Carver, der zunächst nicht lieferte, drohte ich dagegen öffentliche Bloßstellung in Zeitschriften und im Internet an. Das hatte sofort Erfolg.

Wenn aber eine Pfeife unversichert auf dem Versandweg verloren geht, ist nichts zu machen. Wie ich höre, ist es auch bei einer versicherten Sendung ziemlich stressig, an sein Geld zu kommen.

 
 

Welche Zahlungsmethoden empfehlen sich?

EVH: Ein Paypal-Konto ist geradezu eine Notwendigkeit für US-Geschäfte. Ich habe damit nur positive Erfahrungen, obwohl die Umtauschkurse nicht gerade günstig sind.

Einmal habe ich auch per Postanweisung bezahlt - ein bisschen teuer, aber akzeptabel.

Überweisungen und Schecks sind viel zu teuer. Ich fiele lieber tot um, als meiner Bank diese unverschämten Gebühren zu gönnen.

Larry Roushs Pfeifen sind in Europa praktisch nur über das Internet zu bekommen.

 

Man kann auch Bargeld im Briefumschlag per Einschreiben schicken. Das mache ich regelmäßig und hatte noch nie ein Problem.

Kann man Pfeifen zur Ansicht geschickt bekommen?

EVH: Ich habe es noch nie versucht, aber mehrere Carver und Händler haben mir ein Rückgaberecht eingeräumt.

Welche Versandmethoden haben sich bewährt?

EVH: In den vergangenen beiden Jahren habe ich schätzungsweise rund 200 Sendungen erhalten, sowohl aus Europa als auch von Amerikanern. Nicht eine ging verloren. Ich bin also mit den Postdiensten mehr als zufrieden. Dies vorausgeschickt, ist FedEx aber der schnellste Versandweg.

Die Preise amerikanischer Estate-Händler liegen oft am Rande des Erzielbaren. Kann man mit ihnen handeln?

EVH: Ich mache das meistens nicht, aber ja, hin- und wieder habe ich um eine Preissenkung gebeten und dann auch meist eine bekommen - und das nicht nur bei Estate-Händlern.

Wie nötig haben amerikanische und kanadische Carver den europäischen Markt? Könnten sie Anpassungen vornehmen, um dort besser zu landen?

EVH: Ich bin davon überzeugt, dass die wenigsten den europäischen Käufer brauchen. Die meisten können ihre gesamte Produktion zuhause absetzen. Darüber hinaus glaube ich, dass viele bei ihrer Preisgestaltung große Probleme auf dem europäischen Markt hätten. Wozu eine amerikanische Midgrade-Pfeife kaufen, wenn man eine Italienerin kriegen kann? Wozu eine teure amerikanische Pipe, wenn es dänische Meisterwerke gibt?

In Europa ist also nur für diejenigen Amerikaner Platz, die einen offenkundig eigenen Stil haben: Lee Von Erck, Larry Roush, Trever Talbert, Rolando Negoita, Walt Cannoy.

Anpassungen? Vielleicht die Pfeifen ein bisschen kleiner machen. Nur wenige Europäer lieben Riesentröten.

(12. Oktober 2003)

     

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