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Interview

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"Das Pfeifenrauchen kommt wieder"

Der 26jährige Schwede Love Geiger wurde der deutschen Pfeifenöffentlichkeit erst kürzlich durch Jörg Lehmann vorgestellt, hat aber bereits die Aufmerksamkeit angesehener Händler auf sich gezogen. Derzeit steht er an der Schwelle zur hauptberuflichen Pfeifenmacherei, deren wohl jüngster Vertreter er dann sein dürfte, zumindest unter Europas Einzelschnitzern.

 
  Love Geiger hat seine Lebenshaltungskosten minimiert.

Für skandinavische Begriffe sind Loves Preise moderat - was auch für seine persönlichen materiellen Ansprüche gilt. Bei Love Geiger sind, wie in diesem Interview klar wird, stark minimierte Lebenshaltungskosten ein wichtiger Faktor der Kalkulation und der Zukunftsplanung.

Du verlässt ja gerade die Amateurliga, um dich ganz dem Pfeifenmachen zu widmen. Haben Amateure eigentlich die Zeit und die Ressourcen, die sie brauchen, um sich zu entwickeln?

LG: Bei mir kam ja alles sehr allmählich, und eigentlich muss ich sagen, dass ich darüber sehr froh bin. Die ersten beiden Jahre mit miesem Bruyere und altem Werkzeug haben mir klar gemacht, dass es mir wirklich ernst war. Ich habe viel gelernt. Meine Pfeifen habe ich Freunden geschenkt oder billig verkauft. Aber dann kommt man an den Punkt, wo man sich zu Investitionen entscheidet, um Qualitätsware herstellen zu können. Man braucht wirklich viel Geld, um sich die Maschinen leisten zu können, und Zeit, um den Umgang damit zu erlernen.

Was das Rohmaterial Bruyere betrifft, so hilft das Internet, weil man ja von einigen Mühlen direkt online bestellen kann. Natürlich bleibt es ein Problem, einen genügenden Vorrat aufzubauen und das Holz ordentlich abzulagern. Im Handel ist überwiegend Bruyere, das nur etwa ein Jahr Trocknung hinter sich hat.

Für viele Teilzeitschnitzer bedeutet die Doppelbelastung durch zwei Jobs eine Hürde, wenn es darum geht, genügend Pfeifen zu machen, um bekannt zu werden. Wenn ich selber eine Pause gemacht habe, um Geld zu verdienen, entstand zudem hinterher eine tote Zeitstrecke, bevor ich zu meinem alten Tempo zurückfand.

Wovon hast du dich bislang ernährt, außer vom Pfeifenschnitzen?

LG: Wie du vielleicht weißt, ist meine Lage ziemlich einzigartig. Ich lebe in einem kleinen Kollektiv auf dem Lande. Im Winter sind wir rund zwölf Leute. Wir kooperieren, damit hier alles läuft, essen auch mehrmals in der Woche zusammen, haben aber unsere separaten Wohnhäuser.

Einer der vielen Vorteile ist, dass wir fast keine Miete bezahlen und auch sonst viele der Kosten nicht haben, die man aus der Stadt kennt. Wir fällen Holz zum Heizen und haben eine Wasserturbine, um Strom zu erzeugen.

Ich habe schon viele kurze Jobs in verschiedenen Sparten gehabt, meist als Schreiner. Üblicherweise verkaufe ich im November und Dezember auch Lebensmittel auf dem Weihnachtsmarkt. Im vergangenen Jahr war das aber nicht nötig, weil meine Freundin etwas Geld geerbt hatte. So habe ich außer für das Kollektiv nur in meiner Werkstatt gearbeitet.

Eigentlich habe ich durch diese Lebensweise im Laufe der Jahre mehr oder weniger nach Belieben in meiner Werkstatt sein können.

Ist der Schritt ins Hauptberufliche eine schwierige Entscheidung?

LG: Der Schritt entspricht ja einem Wunsch, den ich seit einer Weile hege. So würde ich ihn nicht als schwierig bezeichnen. Aber du musst vorher natürlich irgendwie herausfinden, ob es für dich da draußen einen Markt gibt und ob du gute Pfeifen auch in ausreichender Stückzahl herstellen kannst, ohne dass die Originalität allzu sehr darunter leidet. Andererseits hilft die Hauptberuflichkeit sehr, deine Fähigkeiten auszubauen, da du dich strikt auf die eine Sache konzentrieren kannst.

Wie legst du deine Preise fest?

LG: Die Preisfrage war und ist für mich sehr schwierig. Sie ist eine Sache der Balance - setze deine Preise niedrig an, und du verkaufst vielleicht mehr, doch leiden die Details und auch der Spaß an der Arbeit darunter. Andererseits musst du dich aber an anderen Herstellern und an den Pfeifen auf dem Markt ausrichten.

Anfangs habe ich meine Pfeifen für 400 bis 500 Kronen [rund 50 Euro] verkauft. Das hielt ich eine ganze Weile so, fand aber heraus, dass die Käufer wenig über die Bedeutung der handgemachten Pfeife wussten. Sie ahnten nicht, wie viel Zeit man braucht, um gute Pfeifen herzustellen.

Als sehr junger Mensch, der Pfeifen macht, fragt man sich doch, wie es in den kommenden Jahrzehnten weiter geht. Macht dir der weltweite Rückzug des Rauchens nicht Sorgen?

LG: Überraschenderweise lautet meine Antwort: nein. Wie bei so vielen handwerklichen Tätigkeiten glaube ich, dass wir in Zukunft einen Aufschwung erleben werden, weil die Leute massenproduzierte Dinge satt haben werden. Auch glaube ich, dass die Pfeifenraucherei als eine der wenigen Raucharten ein Comeback erleben wird, weil sie doch ganz anders ist als beispielsweise das Zigarettenrauchen. Man betreibt sie nicht vorwiegend aus einem Bedürfnis heraus, sondern weil man sie wirklich liebt und genießt. Sie bietet einen Moment der Meditation in einer viel zu gestressten Welt. Das mag die Ansicht eines Romantikers sein - aber so sehe ich es.

Zur Website von Love: www.geigerpipes.com

 
 

(17. November 2003)

     

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