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Eine deutsche Marotte?

Die Freunde der Filterpfeife sind ein deutsches Phänomen - ihre erbitterten Gegner allerdings auch. Im Rest der Welt findet die Angelegenheit kaum Beachtung - außer unter Pfeifenmachern mit Interesse am deutschen Markt.

In der Fraktion teutonischer Filtergegner hat ein auf dieser Site erschienenes Interview mit Maurizio Tombari (Le Nuvole) kürzlich für leichtes Entsetzen gesorgt. Darin sagte der italienische Pfeifemacher, dessen Name für Shapes erlesener Eleganz steht, dass er die Einführung von Filtermodellen für deutsche Raucher erwäge. Le Nuvoles mit fetter Taille? Schon sehen Verfechter der reinen Lehre Weltuntergangsvorzeichen, während Freunde des mittelbaren Rauchs die Palette der für sie kaufbaren Spitzenmarken um ein unerwartetes Highlight erweitert wähnen.

Hört man sich allerdings in der Welt um, so haben schon einige Carver aus filterlosen Ländern mit ähnlichen Gedanken gespielt. Deutschland ist als Markt nicht nur wegen seiner Kaufkraft interessant, sondern auch wegen der relativen Weltoffenheit seiner Raucher. Ganz kosmopolitisch hat hier jeder Schnitzer eine Chance... gäbe es da nicht die leidige Filterfrage. Genug der eigentlich überflüssigen Vorrede - etablierte Carver aus drei Erdteilen äußern sich zur deutschen Marotte:

Larry Roush (USA, im Bild): "Ich habe über die Herstellung einer Filterpfeife nachgedacht, die Idee aber aufgrund meiner Art zu bohren verworfen. Bei meinem gegenwärtigen Design und meiner Technik würden Filter nicht funktionieren. Es geht um die Länge des Zapfens und der Zapfenbohrung. Ich mache diese so, dass kein Raum bleibt, in dem sich Kondensat ansammeln könnte. Auch bohre ich meine Pfeifen für einen glatten Rauchfluss und glaube, dass ein Filter hier stören würde. Ich denke, dass ich durch die Neugestaltung einer Pfeife für den Filtergebrauch die einzigartigen Raucheigenschaften und Formen verlieren würde, die ich heute habe."

Kent Rasmussen (Dänemark): "Ich mache keine Filterpfeifen und glaube auch nicht, dass ich das tun werde. Es wäre schwierig, meine Designs mit Filterkammer umzusetzen. Außerdem glaube ich nicht an Filter und kann den Grund für ihren Gebrauch nicht verstehen. Ich glaube, sie verderben das Raucherlebnis. Ich bin mir auch sicher, dass viele Leute, die mitunter auch Filterpfeifen kaufen, sie sowieso ohne Filter rauchen. Andere dänische Highgrader sehen das ähnlich."

Johan Slabbert (Südafrika): "Ich mache Filterpfeifen auf Bestellung. Die meisten Südafrikaner rauchen zwar ohne Filter, aber kürzlich habe ich beispielsweise einen Auftrag für Filterpfeifen von einem Deutschen in Namibia bekommen. Persönlich halte ich Filter für eine gute Sache - für die Lungen."

Mark Tinksy (USA): "Ich habe Filterpfeifen bislang nur auf Sonderwunsch gemacht. Aus der Herstellerperspektive bergen sie einige Nachteile. So muss der Holm fast hohl sein, um den Filter aufzunehmen. Der Zapfen ist ebenfalls aus dünnem Material, wodurch sich die Bruchgefahr erhöht. Wenn man eine kleinere Pfeife für Filter macht, sieht sie außerdem manchmal etwas stämmig und unbalanciert aus. Im Grunde mag ich sie also nicht."

John Marshall (Millville, GB): "Für deutsche Kunden mache ich schon einmal Filterpfeifen auf Bestellung. Ich habe zurzeit auch vier an meinem Stand in Piccadilly ausliegen. Für Läden produziere ich sie aber nicht. Dafür bin ich als Hersteller einfach zu klein. Sie brechen doch ziemlich leicht, nicht wahr? Bei diesen dünnen Holmen sind sie ein bisschen empfindlich."

Trever Talbert (USA/Frankreich): "Wir haben in unserer preiswerten Serie Ligne Bretagne auch einige 9mm-Filterpfeifen gemacht. Allerdings werden die [handgemachten] Talbert Briars niemals für Filter ausgelegt sein. Meiner Ansicht nach wäre schon die Verwirrung die Sache nicht wert, weil die Leute immer nachfragen müssten, ob ein bestimmtes Stück gerade eine Filterpfeife ist oder nicht."

Maurizio Tombari (Italien): "Ich weiß ja, dass viele deutsche Raucher Filter mögen. Ich habe auch versucht, entsprechende Pfeifen zu machen, aber aufgrund des größeren Zapfens muss ich die Proportionen verändern, und das ist das für meine persönliche 'Pfeifenvision' nicht leicht. Die Ergebnisse haben uns nicht befriedigt, aber kürzlich ist Stefania [Anm. Maurizios Frau] wieder an den Zeichentisch zurückgekehrt. Sie bedeckt ihn jetzt mit Skizzen von Pfeifen mit Filterkammern. Wir werden sehen."

 
 

(20. Oktober 2003)

     

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© 2003 und ViSdP: Martin Farrent