| Interview |
Deutschlands HoffnungsvollsterCornelius Mänz gilt Highgrade-Sammlern in aller Welt als Deutschlands Hoffnung in Sachen Pfeife - ja, als einer der wenigen neuen Stars in ganz Europa. Der 1968 geborene 'gemäßigte Avantgardist' ist eindeutig der jüngste unter den anerkannten Spitzen-Carvern des alten Kontinents. In einem Interview äußert er allerdings die Erwartung, dass ein neues Interesse an der Pfeifenmacherei demnächst weitere Talente zum Vorschein bringen könnte. |
Cornelius Mänz in seiner
Werkstatt |
Du bist seit knapp einem halben Jahr nun hauptberuflich Pfeifenmacher, nachdem deine Pipen überall in der Welt Anerkennung gefunden haben. Dennoch erscheint der Schritt sehr mutig. War die Entscheidung mit vielen Ängsten verbunden? CM: Der Übergang zum Vollzeit-Pfeifenmacher war fließend. Ich denke, bei mir lief es so wie bei den meisten anderen Pfeifenmachern. Aus dem anfänglichen Hobby wurde eine Leidenschaft und mit dem Glück, dass meine Pfeifen bei den Rauchern gut ankamen, habe ich mich dann getraut, dem Ganzen noch mehr Zeit zu widmen. Auch werde ich meinen anderen Beruf und auch die freie Malerei nie ganz aufgeben.... so habe ich mehrere Standbeine und kann, wenn meine Pfeifen vielleicht einmal nicht mehr gefragt sein sollten, mich wieder auf das Textildesign konzentrieren. Insofern halten sich die Ängste eigentlich in Grenzen.Ich habe eher Angst 'verhyped' zu werden: Heute in, morgen out. Wie viele Pfeifen produzierst du im Monat? Wie viele müssen es deiner Meninung nach sein, damit du dich endgültig auf dem Weltmarkt etablierst? CM: Ich denke, ich mache so zwischen zehn und - wenn es richtig gut läuft - 13 Pfeifen im Monat. Wie viele es braucht, um mich endgültig zu etablieren, kann ich nicht sagen. Das läßt sich wohl nicht in Zahlen ausdrücken. Wenn ich die Pfeifenmacherei die nächsten Jahre so weiter betreibe, werden ja doch ein paar Pfeifen zusammen kommen. Ich denke, dann können ich und vor allem die Raucher entscheiden, ob meine Pfeifen den Kriterien für gutes Handwerk und Design genügen. Deine Pfeifen sind nur bei sehr wenigen Händlern erhältlich. Ist das Absicht? CM: Ich hatte in den vergangenen Monaten einige Anfragen von Händlern. Vielen mußte ich leider einen Korb geben. Es bringt doch nichts, wenn ich einem Händler verspreche, ihm Pfeifen zu schicken und das nachher nicht einhalten kann. Im Moment verkaufen meine beiden Freunde Heiko [Jahr] und Per [Billhäll] hauptsächlich meine Pfeifen. Ein kleiner Teil geht direkt zu den Rauchern, und in naher Zukunft werde ich noch je ein Geschäft in Zürich und Wien beliefern. Wenn alles gut geht, werde ich auch noch bei einem amerikanischen Händler vertreten sein. Mehr schaffe ich mengenmäßig nicht, und mehr will ich auch nicht. Die Qualität muß stimmen und das braucht einfach seine Zeit. Also ist die Stückzahl begrenzt. Zum Pfeifenmachen braucht man sehr viel Geduld... ich hoffe, die haben auch die Raucher mit mir. Viele nennen dich neben Kent Rasmussen aus Dänemark als einzigen europäischen Pfeifenmacher mit einer jahrzehntelangen Zukunftsperspektive. Fallen dir weitere junge Carver von potenziellem Weltrang ein, oder könnte es sein, dass die Pfeifenmacherei schwerpunktmäßig nach Amerika 'auswandert'? CM: Ob mir dieser Vergleich so zusteht? Das Pfeifenmachen liegt zur Zeit irgendwie in der Luft. Alle Pfeifenbaukurse von Rainer [Barbi] und Bertram [Safferling] sind immer sofort ausgebucht. Ich würde mich also nicht wundern, wenn da in Zukunft doch noch jemand sich nach 'außen' traut und auch Pfeifenmacher wird. Namen kann und mag ich hier lieber nicht nennen- das steht mir, glaube ich, nicht zu. Der Pfeifenboom der vergangenen Jahre hat seinen Ursprung in Amerika. Es scheint also mehr als logisch zu sein, dass nun dort auch - wie in Europa ja schon lange - eine Pfeifenmacherszene entsteht. Einige sind dort sehr innovativ, und möglicherweise wird es 'mal einen 'amerikanischen' Stil geben. Wir müssen da, glaube ich, alle mehr Geduld haben: Nur weil im Moment die Nachfrage nach Pfeifen recht groß ist, muss es ja nicht auch unbedingt gleich mehr neue und gute Pfeifenmacher geben. Wer weiß schon, ob nicht schon nächstes Jahr ein neuer Stern - welcher Nation auch immer - am Pfeifenhimmel aufgehen wird? Sehr problematisch finde ich zur Zeit die Diskussion, ob sich die arrivierten Macher nicht längst nur noch selber kopieren. Es braucht so lange, bis man einen eigenen Stil entwickelt hat. In diesem Stil arbeitet man dann und entwickelt ihn ja auch, wenn auch manchmal nur in Nuancen, weiter. Ich empfinde es als nicht sehr fair, hier so eine scharfe Trennung zwischen Europa - hauptsächlich Dänemark - und den USA zu machen. Alle arbeiten mit Bruyere und versuchen, möglichst schöne und originäre Dinge zu machen. Lasst es einfach laufen und entscheidet durch den Kauf einer Pfeife, was euch besser gefällt und was nicht so gut. Die Dinge zu zerreden, ist nicht gut. Ich möchte die Erfahrungen, die einige Macher in den letzen Jahren machen mussten, nicht miterleben müssen... das Rad kann keiner neu erfinden. Es fällt schon lange auf, dass Deutschland einerseits weltbekannte Highgrader wie dich, Rainer Barbi, Joura und Garbe hervorbringt. Andererseits gibt es aber kaum Mittelklassen-Carver von Weltbedeutung. Woran liegt das? CM: Hmm... Mittelklasse-Carver? Vermutlich ist auch hier mal wieder der auschlaggebende Aspekt das liebe Geld. Um von 'Mittelklasse'-Pfeifen leben zu können, muss man viele machen. Dazu muß man schnell und versiert sein. Wo kann ich sowas lernen? In Fabriken und Manufakturen. Die wiederum haben ihre Heimat in Italien und Dänemark. In Deutschland gab und gibt es so etwas nicht. Die Dänen, zum Beispiel, die unter eigenem Namen Pfeifen in dem mittleren Marktsegment anbieten, haben doch alle irgendwann mal das Handwerk bei Stanwell, Winslow oder Nörding etc. gelernt. Die sind fix und können ordentliche Stückzahlen im Jahr schaffen, so dass sie davon leben können. In Deutschland ist die Pfeifenmacherszene ja nun doch anders aufgebaut, und es hat nie sowas wie Werkstätten gegeben. Hier werkelt ja doch jeder so vor sich hin - obwohl sich das aus meiner eigenen Erfahrung verändert. Wer weiß, ob sich nicht doch 'mal der eine mit dem anderen zusammen tut und eine Werkstatt gründet, die dann vielleicht zum Anlaufpunkt für neue Pfeifenmacher werden kann? |
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(27. Oktober 2003) |
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