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Pfeifenbox |
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| Tabak |
Self made SoapFreunde der englischen Aromatisierungsvariante bangen heutzutage wohlbegründet um die Zukunft ihrer Lieblingsblends. Es ist deshalb nicht nur spannend, sondern gewissermaßen eine Survival-Übung, sich die gewünschte Parfümierung selbst zu basteln. Als Grundlage dient eine beliebige naturbelassene Tabaksmischung aus dem Handel. |
Eine schwierige
Assoziation - Seife und Tabak. |
Den Begriff 'soapy' hören wir oftmals im Zusammenhang mit englischen Aromaten wie Condor, St. Bruno und vielen Lakeland-Blends. Manche Raucher vermuten ein übergreifendes Geheimnis hinter den Tabaken dieses Typs. Das liegt vor allem daran, dass eine Beschreibung der gemeinsamen Charakteristika so schwer fällt. Bei den Herstellern ist aber nur Kopfschütteln zu ernten: Jedenfalls gebe es keine universelle Zutat für Seifigkeit. Wer sie sucht, wird scheitern. Wir müssen uns dem Phänomen anders nähern. Die Assoziation Seife ist zugegebenermaßen problematisch und nicht wirklich appetitlich. Die Gedanken sollen dabei aber weniger in Richtung Seifenpulver als zur Parfümerie wandern - und auch dort bleiben sie nur schnuppernd an der Tür stehen. Der Vergleich bezieht sich auf Duftmischungen, mit denen unsere Seife klassischerweise versetzt wird, damit wir sie riechen mögen. Auf den Tabak übertragen, denken wir vor allem an blumige und zitrusartige Aromen, die auf der Grundlage eines Virginia-lastigen und nicht zu milden Blends sehr sparsam zum Einsatz kommen. Auch eine gute Seife soll ja keineswegs vor Parfum triefen, sondern eher nur die Ahnung eines Dufts auf die Haut übertragen. Beim Tabak darf es ruhig noch viel weniger sein - diese Art der Aromatisierung beansprucht oft nur die Rolle eines Katalysators, der das natürliche Blattbukett erschließt. Mit solchen Aromen sicherten konkurrierende englische Blender vergangener Zeiten aber auch Einzigartigkeit für ihre in der Grundsubstanz sehr ähnlichen Tabake - das sorgte für Wiedererkennung und Stammkundschaft. Heute liegen andere Vorteile des individualisierten, selbstgebastelten Soapy auf der Hand: Da ist einerseits der Wunsch, den Grundtabak selbst zu bestimmen, andererseits die eigene Auffassung von Typ und Dosierung des Topping. Mancher will sicherstellen, dass nur Natursubstanzen in seinen Tabak gelangen. Nicht zuletzt fürchten wir überdies die EU-Bestimmungen über die Analyse und Angabe der Inhaltsstoffe eines Blends. Spekuliert wird ja angesichts eines sündhaft teuren Laborverfahrens, dass viele kleinere Mischhäuser die Tore schließen müssen, mindestens aber die Produktpalette stark schrumpfen lassen. Da lässt sich in der eigenen Hexenküche vielleicht Ersatz zaubern. Und schließlich gibt es erhabene Mischungen, die bereits vom Markt verschwunden sind, sich mit viel Geduld aber möglicherweise nachbauen lassen. Geduld und Versuch Damit sind wir schon bei den Kernvoraussetzungen angelangt: Zeit, Geduld und Vorstellungskraft. Bereits bei der Beschaffung der Zutaten müssen sich Kleinstädter vielleicht auf eine Bahnfahrt in die nächste Metropole einrichten. Vieles findet man zwar in Küche, Garten und Hausbar - Rosenaroma ist aber beispielsweise ein Saft, den es nur selten im Supermarkt gibt. Doch nimmt man zum Einkauf tatsächlich weitere Wege auf sich, dürfte die nächste Entdeckung manchen Panscher ziemlich enttäuschen: So gut wie keine Komponente einer aufwändigen Duftmischung macht sich wirklich dominant bemerkbar. Dafür erweisen sich manche umständlich besorgte Ingredienzien freilich unumwunden als Flop. Den entscheidenden Kick gibt es nicht, soll es auch nicht geben, egal wie kostbar und wohlriechend eine Beimengung. Frische Lavendelblättchen gehen ebenso im großen Ganzen unter wie kleinere Mengen Vanille und vermutlich auch Einhorn-Urin. Der Sinn der allermeisten Zutaten ist es, das Gesamte sanft in eine gewünschte Richtung zu schubsen. Dabei leistet jede von ihnen nur einen Millimeterbeitrag. Es bleiben wenige Rabauken wie Zitrus und Mandelaroma halbwegs eigenständig zu erkennen - selbst Kokos und Süßholzsaft (Lakritz) verlieren sich wortlos-solidarisch in der Bowle, die wir produzieren wollen. Ein Tröpfchen hier, ein zerstoßenes Blättchen da, und stets noch die Frage, wie es sich später mit dem Tabak verträgt (kleine Probeanwendungen geben etwas Aufschluss, wobei ein Fön zur Schnelltrocknung dienen kann). Was am Ende herauskommt, erinnert oftmals eher an After Shave als an Lebensmittelreinheit. Doch kaum reagiert es mit dem Blattgut, da wandelt es sich schon wieder, verliert die Penetranz, ist womöglich gar zu fade und unerheblich. Dann geht das Grübeln von vorne los. Ein Beispiel - Irish Soap Zwar stelle ich nach langer Vorrede nun ein Rezept vor. Die hier notierten Tipps sind aber nur erste Erfahrungen eines Experimentierenden, und so schmeichele ich mir keineswegs, einen genialen Referenztabak aus der Taufe gehoben zu haben. Vielmehr geht es mir darum, die Wechselwirkungen der beteiligten Zutaten beispielhaft vorzuführen. Wer diese flugs und effizient zusammenmixt, kommt zwar zu einem (mir) angenehmen Geschmacksergebnis, verpasst aber alle Lektionen auf der Strecke. Wer das Rezept hingegen - weit sinnvoller - als Praxisbeispiel für eigene Improvisationen betrachtet, geht lieber bedächtig vor. Man gibt Zutat für Zutat in die Brühe, schnüffelt, denkt nach, korrigiert, schweift ab, verbessert erneut. Schnell merkt man übrigens, womit gekleckst werden muss und womit geklotzt werden darf. Sinn macht es dabei fast immer, von jeder Duftrichtung 'hellere' und 'dunkle' Vertreter zu kombinieren: Vanille zu Bitterschokolade, Orange zu Zitrone usw. Selbstredend geht es hier um ganz individuelle Vorstellungen eines gelungenen Aromas. Mir selbst schwebte bei dieser Alchimie beispielsweise der verflossene Gold Block vor den Nüstern, aber auch der Bulldog Golden Flake von Dan Tobacco (nur milder gesoßt). Ich wollte einen nicht zu leichten Tabak als Grundlage, und ich wollte ihn keineswegs so sehr parfümieren, wie es bei manchen Lakeland-Blends der Fall ist. Allzu gewöhnungsbedürftig sollte das Resultat überdies nicht werden; denn ich rauche Soapies gern tagsüber und darum oft nebenher. Das alles sind Prämissen, die sich nicht jeder zueigen machen wird. Vodka - der stille Star Ich gieße 100ml Vodka in ein Marmeladenglas. Dieser Schnaps hat 40% Alkohol und eignet sich daher, sowohl wasser- als auch alkohollösliche Duftstoffe aufzunehmen. So muss ich mir über die Auflösung der weiteren Zutaten kaum noch Gedanken machen - unumwunden kann ich sagen, dass der geschmacks- und geruchslose Vodka die wichtigste Zutat bei diesen Duftexperimenten darstellt. Ein Wahrnehmungsproblem bildet allerdings der Alkoholgeruch, der ja später verdunsten wird. Wir müssen ihn beim Panschen stets wegzudenken versuchen. Bittermandelaroma erinnert mich an den Gold Block. Sechs Tropfen gebe ich in den Vodka. Und weil Soapies auch manchmal als 'floral' beschrieben werden, zerschneide ich zwei große, duftende Rosenköpfe aus dem Garten (oder nehme zwei Teelöffel Rosenaroma aus dem Feinschmeckerladen). Ab damit in den Mandel-Vodka, und zur Unterstützung der Blumensüße noch ein Teelöffel Vanillinzucker hinterher. Die von mir empfundene Zitruskomponente des Bulldog berücksichtige ich mit den Außenschalen einer Limette und einer halben Orange, die ich mit dem Kartoffelschäler traktiere. Die Schalen werden kleingehackt und kommen mit einer guten Portion Zitronenaroma in die Brühe. Von der Zitrone nehme ich so viel, wie für 1500g Kuchenteig benötigt würde. Zwar stammt die von mir verwendete Essenz aus dem Reformhaus und kostet dreimal soviel wie Dr. Oetkers Alternative - danach fehlt der Gesamtmixtur dennoch jede Eleganz! Wir müssen die Zitrusgerüche also dringend bändigen und verfeinern. Das geschieht mit Kräutern und Gewürzen. Drei Messerspitzen Ingwerpulver und eine kleine Prise Koriander sorgen für Hintergründigkeit. Um gleich am Ball zu bleiben: Auch 15 frische, kleingeschnittene Lavendelblättchen sowie ein zerissenes Minzeblatt richten keinen Schaden an. Paritätshalber wird nun gesüßt: Zwei Esslöffel Rum (40%) und ein Teelöffel getrocknete Kokosflocken. Keine Angst vor Zucker und anderen Süßmitteln; denn aus dem berufenen Munde eines berühmten amerikanischen Blenders weiß ich: Ihr Ruf als Zungenbrandstifter ist reiner Mythos. Dazu kommt also ein halber Teelöffel Honig, separat in 20ml Wasser aufgelöst, und zuletzt gebe ich noch einen Esslöffel Süßholzsaft aus der Apotheke in das Glas. Zum Süßholzsaft noch ein ernstes Wort: Hätte ich einen Wunsch frei, so würden Nachpanscher ihre Skepsis unterdrücken und diese Flüssiglaktrize nicht bereits vor dem Probieren verwerfen. Sie gibt der Duftmischung ein festes Fundament, fällt aber ihrerseits keineswegs herrschsüchtig auf. Ich vermute sie in weit mehr englischen Aromaten, als man denken sollte. Dasselbe gilt übrigens für den maßvollen Einsatz der Vanille. Wie dem auch sei, dieser Aufgesetzte darf für meinen Geschmack jetzt nur etwa 15 Stunden im verschlossenen Glas ziehen, bevor abgeseiht wird. Eine längeres Durchweichen ließe den Zitrusduft zu dominant werden. Wer das mögen könnte, darf es ja getrost probieren. Ich selbst schreite aber schon am nächsten Tag zur Aromatisierung des Tabaks. Die Befruchtung Ich benötige für 100g Rauchkraut etwa 20ml der Flüssigkeit (der Rest hält sich vermutlich Jahre), und benetze damit den Boden einer flachen Schale. Inzwischen hat der Saft den Geruch eines nicht allzu exklusiven Herrenparfums angenommen. In der Flasche riecht er viel zu intensiv, um den Tabak nicht zu verhunzen. Doch keine Sorge: Ein Teil der Parfumwirkung stammt vom Alkohol und wird verdunsten. Der Rest wird sich gut verteilt mit den Tabakaromen vermischen und dabei sowohl Plumpheit als auch Schärfe verlieren. Als Ausgangsmischung habe ich den Irish Oak von Peterson gewählt - nicht zuletzt deshalb, weil er ersetzlich wäre. Eine naturbelassene Virginia/Perique-Mischung mit einem aroma-saugenden Burley-Anteil scheint nicht nur im Sinne eines neutralen Experiments sinnvoll, sondern auch für den Fall seines Gelingens. Sollte das Ergebnis so gut munden, dass ich fortan nie und nimmer einen anderen Tabak rauchen möchte, so finde ich für diese käufliche Mischung sicherlich annehmbaren Ersatz, auch wenn sie einmal vom Markt verschwinden sollte. So mische ich nun Irish Oak und Aromaflüssigkeit gut durch und weiß mich auf der sicheren Seite. Ab in den Ofen Nun wollen wir noch die geschmacksverdichtende Wirkung von Druck und Wärme nutzen, und müssen uns um ein geeignetes Pressverfahren kümmern. Dazu sei angemerkt, dass es fast vermessen wäre, mit Bordmitteln und aus bereits geschnittenem Tabak einen Plug oder Flake herstellen zu wollen. Die Vorstellung des Heimwerker-Flake macht zwar Spaß, ignoriert aber den enormen Aufwand der professionellen Pressung. Lediglich die Prinzipien können wir uns - ein bisschen - zunutze machen. Es schadet also nicht, sämtliche 100g des aromatisierten Tabaks in eine 50g Dose zu zwängen, diese zu verschließen und sehr großzügig mit Klebeband abzudichten. Dann nehme ich eine Schraubzwinge und sichere damit den Deckel. Ob diese Vorsichtsmaßnahme nötig ist, weiß ich nicht. Sie richtet aber kein Unheil an. Nach acht Stunden bei 60 Grad im Umluftherd haben sich die Aromen des Tabaks und der Flüssigkeit jedenfalls trefflich vermischt, weil der Deckel draufgeblieben ist. Die Dose öffne ich nach dem Abkühlen sofort; denn nun ist mir an der Verdunstung des beim Abbrand widerlich schmeckenden Alkohols gelegen. Dazu muss ich den Tabak vorsichtig, aber gründlich auflockern und in die flache (inwischen gespülte!) Mischschüssel zurückgeben. Über mehrere Stunden wird er immer wieder gewendet und durchmischt, bis der Feuchtigkeitsgrad praxistauglich geworden ist. Seine vorletzte Ruhe findet mein 'Irish Soap' daraufhin im beliebten Schnappglas auf dem Schreibtisch. Er kann noch ein bisschen lagern, muss es aber nicht. Ich will nun nicht so anmaßend sein, den Geschmack dieser Eigenrezeptur wie in einem herkömmlichen Tabakreview zu schildern, kann allerdings sagen, dass er mir persönlich ausnehmend gefällt, - immerhin so gut, dass die Mischung zu meinem Standard-Soapy avanciert ist. Auf der dunklen Grundlage des Süßholzes bauen Rum und Mandelaroma einen Geruchskörper auf, der von Zitrus und Gewürzen gerade wahrnehmbar zugespitzt wird. Manchem Lakeland-Fan wird die Aromatisierung wohl zu milde sein, aber es ist ja noch Spiel drin. Wer's konzentrierter mag, probiere längere Aufgusszeiten und geringere Vodka-Mengen. Zudem könnte man natürlich mehr Flüssigkeit zum Tabak geben. Ein Klacks ist es auch, die Rezeptur selbst zu verändern und Zutaten zu ersetzen. Anstatt des hier unauffälligen Lavendels könnte beispielsweise der Patschouli des RB Plug die Nase triezen. Aber darauf kommen geneigte Raucher ja wohl selbst. 'Disclaimer' Zum Abschluss muss ich leider eine Warnung aussprechen: Die gesundheitsgefährdende Wirkung des Tabaks ist bekannt. Ich gehe nicht davon aus, dass sie von eventuellen Zusatzvergiftungen beim Abbrand dieser Aromastoffe erhöht wird. Überprüft habe ich das aber keineswegs, und so bleibt es jedem selbst überlassen, das Risiko für sich abzuwägen und zu tragen. Auch wenn letztlich nur sehr geringe Mengen der hier verwendeten Duftstoffe im Rauch zu finden sein dürften, kann ich negative Konsequenzen nicht ausschließen. Ein lästiger Hinweis, doch halte ich ihn für angebracht. (Martin Farrent) |
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(31. Mai 2004) |
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© 2004 und ViSdP: Martin Farrent