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Interview

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"Das Wort 'Künstler' wird überstrapaziert"

Der Name Rolando Negoita ist geradezu ein Synonym für Andersartigkeit im Pfeifenhandwerk. Die dezidierten Formen des in New York lebenden Designdozenten aus Rumänien erzeugen bei Traditionalisten Befremden und bei Gelangweilten erleichtertes Aufatmen.

 
  Für Rolando sind seine Pfeifen keine Kunst.

Manche sehen Negoita in der Nachfolge des Pfeifendesigners Ed Burak, einem etablierten Exzentriker der Pfeifenwelt. Doch anders als Burak - der andere Pfeifenmacher beauftragt - verwirklicht Rolando seine Ideen selbst. Was ihn dabei leitet, erzählt er in einem Pfeifenbox-Interview.

Für viele Sammler sind deine Pfeifen Kunst, doch verwendest du selbst das Wort 'Design'. Siehst du dich nicht als Künstler?

RN: Für mich bezeichnet das Wort 'Kunst' nur die bildende Kunst, Musik, Theater, Film und so weiter. Die Tatsache, dass ich Kunst studiert habe, befördert mich nicht automatisch auf den Künstlerpodest. Bis dahin verläuft ein weiter Weg, und nur wenige schaffen ihn. Die Herstellung funktionaler Objekte impliziert einen Designprozess. Die Form-Funktions-Gleichung muss berücksichtigt werden - ob wir von Möbeln, einem Messer oder Pfeifen sprechen. Das Wort 'Künstler' wird überstrapaziert. Ich sehe mich als Macher.

Es ist schwer, in deinem Werk irgendeinen Einfluss zu erkennen. Gibt es ein Vorbild - innerhalb oder außerhalb der Pfeifenwelt?

RN: Unweigerlich sind meine Formen ein Echo meiner gesamten visuellen und ästhetischen Vorbildung, ein Echo aller Dinge, die ich je gesehen, betrachtet und reflektiert habe. Von Seemuscheln und natürlichen Formen bis hin zu industriellen Gestaltungselementen finde ich eine unendliche Quelle der Inspiration. Ich finde es überflüssig und etwas beschränkend, Pfeifen zu machen, die von anderen Pfeifen inspiriert sind. Aber ich bewundere viele andere Pfeifenmacher sehr und versuche sehr wohl, den von ihnen gesetzten hohen Qualitätsmaßstäben zu genügen.

Wie wichtig ist dir die Ergonomie? Ist sie - wie einige bei dir vermuten - der Gestalt klar untergeordnet?

RN: Die Form folgt der Funktion. Ich halte alle meine Pfeifen für ergonomisch geformt. Darüber zu streiten wäre ungefähr so, als fragte man sich, ob ein Turnschuh ergonomischer als ein Stöckelschuh sei. Dabei dienen beide demselben Zweck, aber in unterschiedlichen Situationen. Meines Erachtens sollte eine Pfeife eine geeignete Begleiterin all jener Augenblicke sein, in denen wir sie genießen. Ergonomisch muss Form, Größe und Gewicht der Pfeife den Moment berücksichtigen, in dem sie geraucht wird. Meine Arbeits- und Autopfeifen sind klein, leicht und einfach geformt - Pfeifen, die man mit den Zähnen festhält. Lesepfeifen, Pfeifen für das Gespräch und für besondere Momente sind hingegen für die Hand gedacht, um ein genießerisches, subtil-sinnliches Gefühl zu vermitteln.

Unter den Pfeifen, die ich mache, ist eine Kategorie, die du als Pfeifen bezeichnen könntest, über die geredet werden kann. Einige Leute mögen sie für unrauchbar halten, weil sie den meisten traditionellen Formen nicht entsprechen. Ich selber finde gerade das gut - als einen Weg, sich gegen das Konzept der 'Einheitsgröße' aufzulehnen.

Noch eine provokative Frage: Du scheinst kein Grain-Fetischist zu sein. Hältst du Maserung für ein überbewertetes Kriterium?

RN: Straight Grain ist nett, besonders, wenn es gut integriert wird. Manchmal kann es aber auch wirklich langweilig sein und mich an Möbelstücke erinnern. Persönlich erregt mich wilde Maserung mehr. Sie zeigt den Kampf des wachsenden Holzes in einem unfreundlichen Klima - eine Maserung, die Geschichten erzählt.

Wie planst du, deinen Markt von den USA auf den Rest der Welt auszuweiten - insbesondere auf deinen Heimatkontinent Europa?

RN: Ich habe keine besonderen Strategien. Ich versuche zurzeit, den europäischen Markt besser zu verstehen. Das große Feedback meiner europäischen Sammler hat dazu geführt, dass ich zu Ereignissen reisen will, um persönlich mit der pfeiferauchenden Gemeinschaft in Europa zusammen zu kommen. Ich werde im August auf der [Europäischen Pfeifen-] Show in Cuxhaven sein.

Derzeit ist deine Arbeit vorwiegend auf deiner Website erhältlich. Willst du künftig mehr Händler einbeziehen?

RN: Der Herstellungsprozess beeinflusst meine Arbeit vielfältig. Er hat für mich große Bedeutung. Er ist wichtiger als das Produkt selbst. Die Herstellung einer einzigen Pfeife kann sich über lange Zeiträume erstrecken - Monate, sogar Jahre. Es hat anderthalb Jahre gedauert, bis die Pfeife auf der Titelseite meiner Website fertig wurde. Die eigentlich Schnitzerei geschieht mit einfachen Werkzeugen wie Feilen. Dies verlangsamt den Prozess und beschränkt die Menge. Ich möchte sicherlich mehr Händlertätigkeit für meine Pfeifen - wenn dies keinen vorgeschriebenen Produktionsplan nach sich zieht.

http://www.atelierrolando.com/

 
 

(4. März 2004)

     

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© 2004 und ViSdP: Martin Farrent