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Pfeifenbox |
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| Interview |
Früher reichten FalconsÜber 30 Jahre raucht Roland Schwarz nun Pfeife, doch erst vor vier Jahren entdeckte der heute 51jährige die potenzielle Schönheit der Rauchgeräte aus Bruyere. Von dieser ästhetischen Offenbarung führte sein Weg geradewegs zum Do-it-yourself - mit äußerst ermutigendem Ergebnis: Manche Sammler werten ihn als zurzeit besten deutschen Neuschnitzer. |
'Nachwuchsmacher'
bei der Arbeit. |
Eigentlich war er seit seinem 18. Lebensjahr mit Falcons zufrieden. Dann aber bekam Roland eine 'richtige' Pfeifensammlung geschenkt - und vorbei war es mit der Luxusresistenz: "Darunter waren Petersons, Stanwells, Svendborgs, Tao, Ilsted und noch andere mehr. Als ich einige dieser Pfeifen rauchte, sie in der Hand fühlte, ihre Formen betrachtete, begriff ich, dass sich der Genuss des Pfeiferauchens nicht alleine auf den Tabakkonsum beschränkt - und ich begann, Pfeifen zu sammeln. Durch die Sammelleidenschaft wurde schließlich irgendwann der Wunsch in mir geweckt, selbst mal eine Pfeife zu bauen." Seinen ersten Versuch machte Roland Schwarz bei Profi Jan Harry - seither seinem kreativen Mentor. Die nächsten paar Pfeifen entstanden dann in der Werkstatt eines Freundes. Doch schnell packte es ihn "so richtig", wie sich Roland für die Pfeifenbox erinnert. So musste eigenes Gerät her: "Ich kaufte eine Drehbank, einen Motor mit Tellerschleifscheibe und eine kombinierte Band-/Tellerschleifmaschine fürs Grobe. Außerdem gab ich bei einer Dreherei ein spezielles Zweibackenfutter in Auftrag. Ich beschaffte Schleifpapier, Bohrer und noch vieles mehr. Von nun an konnte ich die ersten Pfeifen in meiner eigenen Werkstatt bauen. Aber immer wieder stellte ich Jan meine Stücke zur kritischen Begutachtung vor. Ohne seine Hilfe hätte ich vielleicht wieder aufgegeben." Einen weiteren Gönner fand Roland in dem belgischen Sammler Erwin Van Hove. Dieser beriet ihn unter anderem in Sachen Marktbewusstsein und half, den richtigen Zeitpunkt für einen Einstieg zu bestimmen. Als es Anfang des Jahres schließlich so weit war, schlug die Marke 'Roland' gleich transatlantisch ein - zwei Tage nach der Live-Schaltung seiner Website verzeichnete der Neuschnitzer schon die ersten Bestellungen aus den USA. Gehobene, solide Mittelklasse aus Deutschland (im Gegensatz zur gescheiterten Diva) - davor wimmelt es nicht gerade. Auf Anfrage der Pfeifenbox verspricht Roland, dass er diese Nische auch in Zukunft berücksichtigen will. Einen glücklicheren, transatlantischen Einstieg hat wohl kaum ein neuer deutscher Pfeifenmacher erlebt. Besteht die Gefahr, dass dir der frühe 'Ruhm' zu Kopf steigt? RS: Bestimmt nicht, ich bin sehr realistisch in dieser Beziehung und weiß mich selbst einzuschätzen. Es gibt noch viel zu erlernen! Die Technik meiner Pfeifen ist nun soweit gediehen, damit bin ich zufrieden. Worauf ich mich in Zukunft primär konzentrieren werde, ist die Gestaltung der Pfeife - das Entwickeln der Formen, der Ästhetik. Dies alles braucht seine Zeit. Welche Nische strebst du in der Pfeifenwelt an? Hauptberuflichkeit? Highgrades? RS: Ja, ich möchte das Pfeifenbauen hauptberuflich betreiben. Mein Ziel ist es, weiterhin Midgrades und auch in Zukunft Highgrades zu fertigen. An welchen Aspekten arbeitest du zurzeit besonders? RS: Wie ich bereits sagte, wird für mich die Gestaltung der Pfeife in Zukunft eine besondere Rolle spielen. Dabei möchte ich aber in erster Linie Rauchgeräte und keine 'Pfeifenskulpturen' fertigen. Du vertreibst deine Pfeifen bislang nur im Web. Glaubst du, dass du langfristig auch Händler brauchst? RS: Ich denke schon, dass der Vertrieb meiner Pfeifen früher oder später auch über Händler erfolgen sollte, da ich mich mehr um das 'Bauen' und weniger um den Vertrieb kümmern möchte. Sind deine derzeit niedrigen Preise als Einstiegsangebote zu verstehen oder wird es bei einer moderaten Preispolitik bleiben? RS: Meine Preise zurzeit sind schon als Einstiegspreise zu betrachten, aber sie werden auch in Zukunft moderat bleiben. Da ich für das Anfertigen einer Pfeife mindestens einen vollen Arbeitstag benötige, wird der Verkaufspreis für ein Stück sicherlich über 60 euro liegen müssen, auch wenn sie rustiziert ist. Ansonsten richtet sich die Preisgestaltung, wie bei den anderen Pfeifenmachern, natürlich noch nach der Beschaffenheit des Holzes. Welche Investitionen muss ein Anfänger tätigen, um ins Geschäft zu kommen? RS: Die finanziellen Aufwendungen für den Einstieg werden wohl in einer Größenordnung von 2.500 bis 3.000 euro liegen. Natürlich ginge es auch mit Raspel, Feile, Sandpapier und Bohrer. Doch meine Vorstellung ist das nicht. Die größten Investitionen allerdings sind Zeit, Geduld und Durchhaltevermögen, vor allem, wenn mal wieder eine 40 Euro-Kantel vergeigt wurde. Als ein großes Problem stellt sich die Beschaffung der Spezialwerkzeuge wie Zweibackenfutter, Bandschleifer oder Bohrer für die Tabakkammer dar. Wie gehst du mit Kritik um? RS: Ich habe kein Problem damit kritisiert zu werden, im Gegenteil, ernsthafte Kritik ist immer willkommen. Wer kann schon behaupten, 100% perfekte Pfeifen zu machen? |
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(24. Januar 2004) |
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© 2004 und ViSdP: Martin Farrent