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Pfeifenbox |
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| Interview |
Auf Kontinuität gesetztDer britischen Nobelmarke James Upshall wird gelegentlich ein Auf- und Ab unterstellt. So ist insbesondere unter amerikanischen Liebhabern von einer Schwachphase in den 90er Jahren die Rede. Freilich sind die Gerüchte mysteriös; denn an der handwerklichen Grundkonfiguration hat sich nie viel geändert. Lediglich im unternehmerischen Glück waren Schwankungen zu verzeichnen - ein Epochendenken lässt sich also schwer begründen. |
Als Sammler
besitzt Moty Ezrati rund 3000 Pfeifen. |
1978 vom ehemaligen Charatan-Manager Kenneth James Upshall Barnes gegründet, setzt Upshall seit jeher auch handwerklich auf Charatan-Expertise. Werkstattleiter Barry Jones kam ebenfalls aus dem Londoner Traditionshaus - und dreht noch heute alle Köpfe selbst. Zwischenzeitlich zeichnete er auch unternehmerisch für das Werk verantwortlich, das er 1989 von der Familie Barnes übernahm. Doch war Betriebswirtschaft sein Ding nicht, auch das Glück spärlich, und so drohte die Marke finanziell zu kentern. Seit dem Kauf der Firma durch den Immobilienunternehmer Mordechai (Moty) Ezrati segelt Upshall nun wieder in ruhigerem Fahrwasser. Die anderweitig gern diskutierten Prä-, Post- und Übergangsepochen sind am Upshall-Produkt indes nur schwer auszumachen. Dass sich manche Experten dennoch an solcher Geschichtsschreibung versuchen, liegt möglicherweise am 'nationalen Umfeld' der Marke. Die Tendenz zum höchst komplizierten Niedergang ist in der Pfeifenwelt ja eine sehr englische! Selbigen bei Upshall zu verhindern, ist aber die langjährige Passion des Pfeifensammlers Ezrati, und dabei liegt ihm Profitmaximierung fern, wie er in diesem Interview erklärt. Wie kamst du zum Kauf der Upshall-Marke? ME: Ich sammelte seit Jahren Charatans, und als ich keine authentischen mehr in den Läden finden konnte, begann ich, nach Pfeifen mit ähnlichem Rauchverhalten und Design zu suchen. Ich kaufte 200 Pfeifen bei einer Versteigerung und warf die meisten weg. Es waren aber zwei darunter, die wegen ihres Straight Grains und ihrer Verarbeitung mein Interesse erregten. Sie waren Pfeifen von James Upshall. Den Namen hatte ich nie zuvor gehört, doch stellte ich Recherchen an und besuchte schließlich Barry Jones in der Fabrik. Dort kaufte ich ein paar Pfeifen, setzte die Käufe über einen gewissen Zeitraum fort, und so wurden wir schließlich feste Freunde. Einige Jahre später bot mir Barry die Partnerschaft in der Firma an. Mein Prokurist sah sich die Bücher an, und leider musste ich ablehnen. Es machte geschäftlich keinen Sinn. Doch unsere Freundschaft blieb, und ich unterstützte Barry bei seinen internationalen Verkäufen so gut ich konnte. Dann aber geschah das Unausweichliche, und die Bank zog ihm 1996 den Teppich unter den Füßen weg. Cadogan und Dunhill verhandelten mit den Konkursverwaltern über die Übernahme der Fabrik und vor allem auch des Namens. Nach dem, was mir Barry erzählte, hatte Dunhill aber vor, ihn für die Herstellung von Dunhills und Charatans einzusetzen, während Cadogan ihn mit der Produktion der GBDs und Comoy Uniques befassen wollte. Es stimmte mich traurig, dass eine so hochwertige Pfeifenmarke nur wegen finanzieller Schwierigkeiten verschwinden sollte. So beschloss ich, die Firma ungeachtet des geschäftlichen Sinns zu kaufen, - damit Barry weiterhin ohne finanzielle Sorgen James-Upshall-Pfeifen herstellen konnte. Wird Upshall jemals wieder richtig profitabel werden? ME: Die Frage der Profitabilität spielt nicht wirklich eine Rolle. Doch ist James Upshall die letzte wirklich hundertprozentig handgemachte britische Pfeife aus dem bestmöglichen Holz. So bin ich sicher, dass wir weiterhin jenes Segment der Pfeifenkäufer bedienen werden, die derartiges Handwerk schätzen. Wenigstens werden wir genügend Gewinn machen, um die Produktion aufrecht zu erhalten. Was passiert mit Upshall, wenn Barry Jones in den Ruhestand geht. Kannst du dir einen Ersatz vorstellen? ME: Nach Barrys eigenen Worten macht er mindestens noch 20 Jahre weiter. In den vergangenen zehn Jahren hat er einem jungen Mann beigebracht, wie man Bruyere schneidet. Nun denkt Barry, dass sein Schüler so weit ist, die nächsten zehn Jahre mit dem Erlernen des traditionellen Drehens zu verbringen! |
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(18. Februar 2004) |
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© 2004 und ViSdP: Martin Farrent