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Teure Zeiten für US-Sammler

Das Tief des amerikanischen Dollars bedeutet für Liebhaber in den Staaten einen bis zu 25prozentigen Aufschlag beim Kauf europäischer Pfeifen - und aus der alten Welt stammt ja noch immer die große Mehrzahl der Sammlerstücke. Schwierige Zeiten auch für Hersteller, Händler und Carver auf beiden Seiten des Teichs. Gleichwohl äußern sich zwei Akteure in der Pfeifenbox eher gelassen.

 
  Noch wird der Kursumschwung verkraftet.

In den Diskussionsforen des Internet fragt man ängstlich, ob bei den kommenden Shows in Amerika überhaupt noch eine dänische oder deutsche Pfeifen zu bezahlen sein wird. Gemunkelt wird von europäischen Machern, die durch Kalkulationen am Rande des Wirtschaftlichen nun unfähig sein sollen, preissenkend auf den Dollarkurs einzugehen. Tatsächlich rücken einige Europäer für US-Sammler in finanziell schmerzhafte Sphären auf.

 

Anderweitige Ruhe fällt indes weniger auf. In Rom schreibt Freehander Paolo Becker einfach Dollarpreise aus - und verändert sie auch wegen Fluktuationen auf dem Devisenmarkt nicht (es profitieren von dieser Stabilität Europäer noch mehr als Amerikaner). Und selbst der Handel bleibt großenteils zuversichtlicher, als es die Untergangsorakel bei den Hobbyökonomen vermuten lassen. Sammler sind bekanntlich süchtig - tendenziell zumindest. Wird der Stoff auch teurer, so bricht Massenabstinenz noch lange nicht aus.

Der Leipziger Online-Händler Heiko Jahr (www.pfeifenantiquariat.de) muss ein nachlassendes Interesse aus den USA registrieren, ist aber für Amerikaner nicht wirklich unerschwinglich geworden, wie er sagt:

 

HJ: Im Grunde ist es natürlich eine ganz banale Sache. Wenn die Preise für Kunden auf Grund einer Kursentwicklung steigen, werden die Kunden zurückhaltender. Unser Geschäft ist ja nun aber spezialisiert auf highgrade Estates. Die Preise der einschlägigen amerikanischen Online-Händler waren allerdings vor dem Kursumschwung wesentlich höher als die Euro-Nominalpreise. Im Moment sehe ich die Preise für diese Stücke im Vergleich USA/Europa auf ungefähr gleichem Niveau. Eine Pfeife, die bei uns 200 Euro kostet, verkauft ein amerikanischer Händler im Normalfall auch nicht unter 250 Dollar.

Für europäische Neuware sieht es natürlich schwieriger aus - zumal der amerikanische Markt nach meiner Beobachtung sowieso etwas abgesättigt ist. Problematisch wird es vor allem für Macher, die mit Importeuren in Amerika feste Dollarkurse vereinbart haben - und das scheinen nicht wenige zu sein

 

F. Sykes Wilford (www.smokingpipes.com) betrachtet das Problem aus der Warte eines amerikanischen Händlers:

Grundsätzlich müssten die Kursentwicklungen amerikanische Macher im Vergleich zu europäischen attraktiver machen. Als Händler, der europäische und japanische Pfeifen importiert, muss ich darunter geschäftlich leiden. Andererseits relativiere ich das etwas, weil Verkäufe nach Übersee zugenommen haben; denn für ausländische Kunden ist mein Angebot ja vergleichsweise billig geworden. Das gleicht die Verluste zwar nicht völlig aus, doch ist die Sache dadurch nicht so schlimm, wie sie zunächst erscheint.

Größere Firmen in größeren Branchen schützen sich etwa durch den Handel mit Devisen-Futures gegen Währungsfluktuationen und können die Preise dadurch relativ stabil halten. Das funktioniert zwar nicht langfristig, stabilisiert aber die Situation auf kürzere Sicht. Aufgrund der geringen Größe des Pfeifengeschäfts wäre dies für uns aber ein relativ teurer und komplizierter Weg, sich gegen das Problem zu schützen. Unternehmen durchlaufen diese Währungszyklen ständig. Es fällt uns in der Pfeifenwelt zurzeit nur besonders deutlich auf, weil fast alle Highgrades in Europa produziert werden und weil der Umschwung so krass war.

Begünstigt der Kurs eine etwaige Bereitschaft deinerseits, amerikanische Pfeifen einzuführen?

HJ: Ich werde mich in Chicago auf jeden Fall intensiv umsehen, welche Pfeifen amerikanischer Macher zu uns passen und welche wir bei uns präsentieren wollen und können. Erste Kontakte sind bereits geknüpft und ich gehe einmal davon aus, dass wir Ende Mai amerikanische Pfeifen anbieten werden - quasi das eine oder andere Stück Bruyere ins 'alte Europa' zurückgeholt haben werden. Mehr wird aber noch nicht verraten.

 

(24. März 2004)

     

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