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Cuxhaven geht weiterNach dem Erfolg der European Pipe and Tobacco Show in Cuxhaven scheint der Boden für weitere Pfeifen-Events dieser Art in Deutschland bereitet. Veranstalter Rolf Osterndorff spricht von 60 Ausstellern und 400 Besuchern an der Nordseeküste - und hält das für steigerungsfähig. Im kommenden Jahr will er eine größere Halle anmieten. In Berlin arbeitet Nils Thomsen an einer eigenen Schau im November. |
Rolf
Osterndorff und Bo Nordh - abends im Garten. |
Online-Händler Heiko Jahr gehörte vor der Show eher zu den Skeptikern, die sich eine Veranstaltung der anvisierten Größenordnung in Europa nicht vorstellen konnten. Inzwischen räumt er ein, dass er das Potenzial unterschätzt hat: "Rolf hat so gut wie alle bedeutenden Macher nach Cuxhaven bekommen. Dazu eine tolle Atmosphäre, gute Stimmung, lockerer Umgang - einfach Klasse." |
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Die Anwesenheitsliste las sich tatsächlich wie ein kleines 'Who's who?' der Branche. Fast die gesamte skandinavische Pfeifenaristokratie fand sich ein: Nordh, Ivarsson, Chonowitsch, Eltang, Anne-Julie, Teddy, Balleby und einige mehr. Aus Deutschland kamen unter anderem Barbi, Joura, Mänz, Mummert und Paul Becker. Italien war mit Machern wie Maurizio Tombari und Baldo Baldi vertreten, Amerika mit Rolando Negoita und Lee von Erck. Die weiteste Reise hatte Jan Zeman aus Neuseeland hinter sich. Auf der Show konnte er mit dem Verkauf mehrerer Pfeifen zumindest diese Etappe seiner Europa-Tour gegenfinanzieren. Sammler Jeff Folloder aus Texas war als Einkäufer für smokingpipes.com eingeflogen und interessierte sich vor allem für neuere Schnitzer wie Tom Mehret. Tarek Manadily agierte eloquent und engagiert in seiner Rolle als Botschafter der italienischen Pfeife. |
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Doch trotz der versammelten Prominenz war keine ehrfürchtige Distanz zwischen Ausstellern und Besuchern zu verspüren. "Chicago war hektisch, uferlos und zentral", sagt Heiko Jahr. "Cuxhaven war wesentlich kommunikativer, gemütlicher, familiärer." Die einmalige Atmosphäre der Tage an der Nordsee macht es noch im Nachhinein schwer, die knallharte Frage nach dem geschäftlichen Sinn zu beantworten. Die After-Show-Parties in Rolfs Garten übertrafen für einige der anwesenden Sammler sämtliche Träume (zum Beispiel: Bo, Lars, Jess und Teddy an einem einzigen Tisch). Der sichtbar intakte Familiengeist der Osterndorffs schuf auf dem Rasen wie in der Halle eine Ahnung von heiler Welt. Drei Piepenhoeker-Generationen zogen mit und stemmten die gesamte Veranstaltung praktisch ohne fremde Hilfe. Händler Achim Frank betätigte sich abends erwartungsgemäß als Stimmungskraftwerk, der portugiesische Neuling João Reis als Lagerfeuermusikant. Bei meinem ersten Gang durch die Ausstellung bot mir Per Billhäll fast beiläufig an, mich mit Bo Nordh bekannt zu machen. Anne-Julies Bilder gefielen mir besser, als ich gedacht hätte. Alte Online-Bekannte bekamen plötzlich Gesichter, bestehende Fernfreundschaften wurden begossen - und sicher auch einige neue begründet. An der Theke ging das Bier aus. Fünf Minuten später war neues da. Zumal in kontaktfreudiger Überwindung der Virtualität für Profis auch geschäftliche Vorteile liegen dürften, scheint es fast schnöde, nach konkreten Zahlen zu fragen. Wer es aber tat, wurde oft positiv überrascht: Zwar gab es auch einige lange Gesichter (unter anderem bei manchen Italienern), doch scheinen die materiellen Hoffnungen vieler aufgegangen zu sein. Vor allem relative Raritäten verkaufen sich auf einer europäischen Show offenbar gut, wohingegen das hierzulande breitflächig gut Erhältliche (eben viele der Italiener) weniger Lockvermögen zu haben scheint. Von Cornelius Mänz wurden fast sämtliche verfügbaren Pfeifen aufgeschnappt. Rolando Negoita hatte sein halbes Sortiment bereits Samstag früh veräußert. Mehr als 25 Barbis fanden neue Besitzer, und reges Interesse konnten vornehmlich jene Händler an ihren Tischen verbuchen, die mit Vielfalt zu überzeugen wussten. "Von mir kaufte sogar Herr Tsuge eine Pfeife!" triumphierte Jesper Klith aus Dänemark. Rolf Osterndorff selbst konnte nach bangen Monaten aufatmen: "Jedenfalls war das für mich kein Flopp. Ich rechne ja auch ein bisschen anders. Ich mache das ganze Jahr praktisch keine Werbung. Jetzt aber weiß die ganze Welt, wo der Piepenhoeker in Cuxhaven ist. Dafür hat sich der Einsatz gelohnt." Klar, dass einige organisatorische Fehler erst im Nachhinein auffallen. So erwies sich nach Einschätzung show-erfahrener Besucher der Termin in der Ferienzeit als Manko, und die dezentrale Unterbringung der Teilnehmer vor allem abends als bedauerlich (für diejenigen nämlich, die den Weg in Rolfs Garten nicht fanden). Auch die PR-Arbeit im Vorfeld hätte nach Heiko Jahrs Ansicht breiter angelegt sein müssen: "Nach meiner Einschätzung war die ältere Garde pipo-demographisch völlig unterrepräsentiert, was sicher damit zusammenhängt, dass die Werbung für dieses Ereignis hauptsächlich über das Internet gelaufen ist." Rolf Osterndorff wird nach eigenem Bekunden Gelegenheit haben, aus kleineren Fehlern Lehren zu ziehen: "Nächstes Jahr machen wir das Ganze noch größer. Dann gibt es noch wesentlich mehr Aussteller und Besucher, weil sich der Erfolg herumgesprochen hat. Vielleicht miete ich sogar die große Kugelbaker Halle. Dafür suche ich mir aber diesmal Sponsoren und Helfer." Heiko Jahr hofft, dass dann auch die Medien besser mitziehen: "Für 2005 sollte unbedingt die einschlägige Presse, die in den Tabakläden ausliegt, dazu angehalten werden, fundierte redaktionelle Beiträge in mehreren Ausgaben zu bringen. So könnte ich mir vorstellen, dass eine Flut von Leserbriefen, in denen der Unmut geäußert wird, dass zur diesjährigen Show im Vorfeld dort nichts zu lesen war, die Leute ein wenig auf Trab bringt. Außerdem sollten mehr stationäre Händler angesprochen werden. Diese können dann sicher auch Teile ihres Umfeldes aktivieren." Medienbewusst (und das nicht ohne Erfolgt) agiert schon seit geraumer Zeit der Berliner Nils Thomsen, der mit einer eigenen Show im November als erster europäischer Veranstalter von Rolfs Pionierarbeit profitieren dürfte. Mehr dazu gibt es hier. |
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(29. August 2004) |
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© 2004 und ViSdP: Martin Farrent