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"Sich wie eine Familie fühlen"In die frühere Gangsterstadt Chicago zieht es alljährlich im Mai viele hundert Pfeifenfreunde aus aller Welt. Die Chicagoland Int'l Pipe & Tobbaciana Show hat sich aus bescheidenen Anfängen vor rund drei Jahrzehnten zur zentralen Veranstaltung der internationalen Branche gemausert. Großenteils geht das auf den Fanatismus Frank Burlas vom Chicagoer Pfeifensammler-Klub zurück. Seine Rolle als Initiator und Hauptorganisator der Show hat sich längst zu einem ganzjährigen Fulltimejob entwickelt. |
Die Alfred Dunhill
Collection war 2003 in Chicago augestellt. |
Dennoch: Allein geht es nicht. Mehrere Dutzend Menschen tragen im Schweiße ihres Angesichts zum Gelingen des Pfeifenkarnevals bei - von den Klubmitgliedern bis hin zur örtlichen Polizei. Außer Frank gibt es sieben weitere 'Show Officers', und zu den 30 ehrenamtlichen Helfern kommen an den Veranstaltungstagen noch 16 bezahlte Aushilfskräfte auf das Parkett. Außerdem erforderlich: Sicherheitspersonal und ein medizinischer Hilfsdienst, Feuerwehrleute zur Raumluftüberwachung und Ortskundige aus dem Fremdenverkehrsamt. Burla selbst arbeitet ganzjährig etwa sechs bis acht Stunden am Tag für 'seine' Veranstaltung. Seine inzwischen erwachsenen Töchter helfen seit Kindestagen mit. In einem Pfeifenbox-Interview wird das Ausmaß der Mühen und Erfolge eigentlich nur andeutungsweise klar. Wie viele Besucher erwartest du in diesem Jahr - und wie viele davon aus dem Ausland? FB: Das ist keine einfache Frage. Lass' mich so antworten: Als wir 2003 die Tore für die Öffentlichkeit aufmachten, warteten draußen mehr als 600 Menschen in der Schlange. Das sind echte Käufer, die ihr Geld für diese Show sparen. Unsere Vorschau' am Freitag zieht zwischen 800 und 1000 Besucher. Ich möchte nicht schätzen, wie viele diesmal kommen. Wenn ich mich wegen solcher Schwierigkeiten wie SARS im vergangenen Jahr, internationaler Flugausfälle oder wirtschaftlicher Probleme um ein paar hundert vertue, ist es mir unangenehm. Sagen wir einfach so: Es ist eine große Show. Noch ein Beispiel: Im vergangenen Jahr kamen 604 Gäste zu unserem Wilkommensbuffet am Freitag, und für 2004 erwarten wir über 800. Unsere Besucherzahl beruht nicht auf der Situation in irgendeinem spezifischen Land, sondern hängt davon ab, was zum gegebenen Zeitpunkt auf sechs der sieben Kontinente passiert. Gute 35 Prozent oder mehr unserer Besucher kommen aus dem Ausland, und wir decken die Vereinigten Staaten fast ganz ab. Noch eine Antwort auf deine Frage: Fast achtzig Pfeifenmacher aus aller Welt kamen 2003. Und für 2004 halten wir einige tolle Überraschungen bereit. Die Show ist sowohl eine Handelsmesse als auch ein gesellschaftliches Ereignis. Wo liegt für dich persönlich der Schwerpunkt? FB: Meine Ziele sind ganz einfach. Ich will, dass die Leute Spaß haben - deshalb machen wir die Show ja an einem Erholungsort. Ich will, dass sie etwas lernen, während sie schauen, kaufen, verkaufen oder tauschen - oder auch die Seminare besuchen. Und vor allem will ich, dass sie sich wie eine Familie fühlen. Wenn diese drei Dinge erreicht werden, wird die Show sehr erfolgreich sein. Eine gute Resonanz in Chicago gilt als äußerst wichtig für die Karriere eines neuen Pfeifenmachers. Sind umgekehrt auch Karrieren und Reputationen auf der Show in Gefahr? FB: Eine Frage, bei der man nur verlieren kann? Chicago ist eine Show, die große internationale Aufmerksamkeit erregt, nicht nur von individuellen Käufern, Händlern und Distributoren, sondern auch von den großen Firmen weltweit. Manchmal werden Verträge unterzeichnet, neue Karrieren gemacht oder alte wiederbelebt. Dein Wort, deine Ethik, den Gesicht' spielen dabei eine ebenso große Rolle wie deine Arbeit als Pfeifenmacher oder Tabak-Blender. Allen, die mich nach einem Erfolgsrezept fragen, sage ich: "Sei du selbst. Sei nicht neidisch auf andere. Sage die Wahrheit, überschätze den Wert deines Produktes nicht - und sei in der Lage, deine Verträge auch zu erfüllen. Dein Erfolg auf einer Show wird nicht nur in Verkäufen gemessen, sondern auch in Verträgen, neuen Ideen und so weiter - er besteht aber auch darin, zu erfahren, was der andere denkt, sagt und glaubt." Wie amerikanisch' ist das Konzept einer Pfeifenshow? Welche Chance gibst du solchen Ereignissen in Europa? FB: Noch eine schwierige Frage. Auf den ersten Teil kenne ich die Antwort nicht und möchte sie auch nicht raten. Ich glaube aber, dass Pfeifen-Shows in Europa wichtig und erfolgreich werden können. Eine erfolgreiche Show entsteht allerdings nicht über Nacht. Sie braucht Jahre, um das Ansehen und die Bedeutung zu entwickeln, die sie möglicherweise verdient. Außer einem guten Namen braucht eine Show ein starkes Fundament. Sie braucht einen Veranstaltungsort - einen möglichst raucherfreundlichen. Sie darf sich nicht mit anderen größeren Ereignissen überschneiden, weshalb Termine gründlich durchdacht sein müssen. Der Ort muss gut per Straße, Flugzeug und Bahn zugänglich sein, und es muss Unterstützung geben. Eine Einzelperson kann zwar federführend sein, doch müssen hingebungsvolle Menschen bereit sein, mit ihm zusammen auf das allmähliche Wachstum der Sache hin zu arbeiten. Auch muss man sich dessen bewusst sein, dass eine erfolgreich gewordene Show dazu führt, dass andere Leute etwas Ähnliches zu planen beginnen. Dann hat man Wettbewerb, und viele Leute haben einfach nicht die Zeit und das Geld, weite Reisen zu mehr als einer Show zu machen. Du brauchst auf deiner Show etwas, das wirklich inspiriert und die Leute zieht. Mich haben Amerikaner, Europäer und Asiaten gebeten, ihre eigenen Shows zu einem Erfolg zu verhelfen. Ich lehne es immer ab, andere Shows zu organisieren, helfe aber, indem ich Fragen beantworte. Kein einzelner Name macht eine Show zum Erfolg. Die Chicagoland Int'l Pipe & Tobacciana Show verkauft ihre Tische Jahr für Jahr per Mundpropaganda - nicht durch öffentliches Werben -, und die Zuschauermengen werden größer, weil die Leute über Freunde und andere Besucher von der Show erfahren. Heutzutage verbringe ich die meiste Zeit damit, Fragen zu beantworten - aber nicht zur Show selbst, sondern wegen Übernachtungsmöglichkeiten, Verkehrsanbindungen und ähnlicher Sachen. Die Leute wissen, dass die Show herausragend wird - und ich bete ständig dafür, dass es auch so ist! |
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(8. Februar 2004) |
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© 2004 und ViSdP: Martin Farrent