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Kontroverse
Kunst
Es gibt nur wenige exklusive Pfeifenmacher, die so viel Kritik aushalten müssen wie Anne Julie Rasmussen. Da heißt es, sie lebe vom Namen ihres legendären Mannes Poul, - obgleich dieser schon Mitte der 60er Jahre verstarb (und sie stilistisch seither ganz eigene Wege ging). Zudem wird ihr vorgeworfen, nicht sämtliche Pfeifen ihrer Marke selbst zu schnitzen. Damit liegt sie allerdings in der guten dänischen Werkstatt-Tradition, und im Laufe der Jahre zählte sie einige der größten Könner des Landes zu ihren Mitarbeitern. Mitunter wird auch die Verarbeitungsqualität in Frage gestellt, was aber nicht jeder Sammler nachvollziehen kann. Ferner monieren Kritiker angeblich gekünstelte Formen und grotesk überhöhte Preise. Ersteres ist Geschmacksache. Die berühmtesten Shapes dieser Macherin - das Damenbein oder die floralen Pfeifen - sind gewöhnungsbedürftig, was ja keine Kritik sein muss. Ihr Selbstverständnis als Voll-Künstlerin sollte diesbezügliche Ablehnung indes ertragen. Überteuert ist Anne Julie zwar auch für meine Begriffe oft; doch reflektiert dies vor allem meine persönliche Distanz zu ihrer Formenwelt. Nebenher bemerkt, gibt es von ihr auch klassischere Pipen. Sie zur Yoko Ono der Pfeife zu stilisieren, mutet jedenfalls übertrieben an. Immerhin ist die eigene, betont künstlerische Identität eine authentische und greifbare, zudem eine vom Handwerk Poul Rasmussens sehr unabhängige Schaffensgrundlage. So hat sie es meines Erachtens verdient, dass etwaige Kritik ihrem autarken Produkt gilt - ohne rhetorische Zuhilfenahme ihres Lebenslaufs. |
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© 2004 und ViSdP Martin Farrent |